EMA geht Hinweisen auf schwere Impf-Nebenwirkungen nach

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) geht neuen Hinweisen auf mögliche schwere Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson nach. Bei AstraZeneca wird ein möglicher Zusammenhang zum Kapillarlecksyndrom untersucht, bei Johnson & Johnson Thrombosen.

Neue Diskussionen um die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kündigte an, einen Wechsel der Impfstoffe zwischen der ersten und zweiten Dosis vorerst nicht zu empfehlen. Beim Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca untersucht die EMA nach eigenen Angaben fünf Fälle des Kapillarlecksyndroms, das auch als Clarkson-Syndrom bekannt ist. Bei der nur sehr selten auftretenden Erkrankung ist die Durchlässigkeit der Kapillargefäße zu hoch, so dass Plasma austritt und es zu Ödemen und einem Abfall des Blutdrucks kommt. Erst vor einer Woche hatte sich die EMA mit einem möglichen Zusammenhang zwischen der Astrazeneca-Impfung und Thrombosen befasst. Sie kam zu dem Schluss, dass der Nutzen der Impfung das Risiko überwiegt und empfahl lediglich, Blutgerinnsel künftig als „sehr seltene Nebenwirkung“ des Impfstoffs aufzuführen.

Die Ursache für sehr seltene Thrombose-Komplikationen nach Covid-19-Impfung mit AstraZeneca-Vakzin scheint nun geklärt. Sie ähneln einer selten bei Heparin-Therapie auftretenden Nebenwirkung. Die volle Erklärung inklusive möglicher Früherkennungs-, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten durch ein internationales Wissenschafterteam mit Beteiligung von Wiener Blutgerinnungsexperten ist jetzt im New England Journal erschienen. „Die Impfung kann als Resultat in seltenen Fällen die Entwicklung einer immunbedingten Thrombozytopenie, vermittelt durch aktivierte Antikörper gegen PF4, haben. Das ähnelt im klinischen Erscheinungsbild einer durch Heparin ausgelösten autoimmunbedingten Thrombozytopenie“, schreiben die Wissenschafter mit Erstautor Andreas Greinacher (Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin der Uni-Klinik Greifwald) und unter anderen mit Paul Kyrle und Sabine Eichinger (MedUni Wien/AKH) als Co-Autoren.

Beim Corona-Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson prüft die EMA einen möglichen Zusammenhang zu Thrombose-Fällen. Das Johnson & Johnson-Vakzin war Mitte März in der EU zugelassen worden. Am Dienstag haben die US-Gesundheitsbehörden eine Pause bei den Impfungen mit dem J&J-Vakzin empfohlen, nachdem vereinzelte Fälle von seltenen Blutgerinnseln gemeldet worden waren. Wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen verschiebt der US-Pharmakonzern deshalb die Auslieferung seines Corona-Impfstoffs in Europa. „Wir haben die Entscheidung getroffen, die Markteinführung unseres Impfstoffs in Europa aufzuschieben“, erklärte der Konzern am Dienstag. Wie beim Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens AstraZeneca und dem russischen Vakzin Sputnik V handelt es sich beim Vakzine von Johnson & Johnson um einen Vektorvirenimpfstoff. Dabei wird als Vektor ein sogenanntes Adenovirus genutzt. Dieses löst normalerweise eine gewöhnliche Erkältung aus, wurde jedoch so verändert, dass es sich nicht vermehren kann. (red/APA)