Virusgenome aus Österreich

Erste SARS-CoV-2-Genome sequenziert

Die ersten 21 SARS-CoV-2-Genome in Österreich wurden im Rahmen des kürzlich von CeMM gestarteten Projekts „Mutationsdynamik von SARS-CoV-2“ sequenziert und veröffentlicht. Insgesamt sollen 1.000 virale Genome von PatientInnen aus Österreich analysiert werden, um die molekularen Grundlagen des Virus und der COVID-19 Pandemie besser zu verstehen. Diese SARS-CoV-2-Genome werden in globalen Datenbanken unmittelbar veröffentlicht und stellen einen wichtigen Beitrag für die internationale Forschung im Kampf gegen COVID-19 dar.

Um die Evolution des Virus in der menschlichen Bevölkerung zu verstehen, werden die Genome von zirkulierenden SARS-CoV-2 Viren in vielen Teilen der Welt sequenziert und in frei zugänglichen Datenbanken veröffentlicht. Bisher fehlten Virusgenome aus Österreich, was eine erhebliche Lücke in der Analyse der globalen Übertragungswege und der Evolution dieses Virus darstellte. In einem Kooperationsprojekt des CeMM (Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) unter der Leitung von Andreas Bergthaler und Christoph Bock wurden nun erstmals SARS-CoV-2 Proben von PatientInnen aus Österreich mit Next Generation Sequencing Technologie untersucht.

Durchschnittlich 6 Mutationen gegenüber Wuhan-Referenzgenom

Die Genom-Analysen der ersten SARS-CoV-2-Genome aus Österreich konnten durchschnittlich 6 Veränderungen im Vergleich zum Referenzgenom des Virus, das am 26. Dezember 2019 in Wuhan  isoliert wurde, identifizieren. Dies entspricht ähnlichen Beobachtungen, die in anderen Ländern gemacht wurden. Die identifizierten Mutationen führen zu Änderungen der viralen Eiweißstoffe und erlauben einen Einblick in Selektionsmechanismen und die laufende Evolution des Virus. Weitere molekulare Untersuchungen werden Aufschluss über die Effekte dieser Mutationen auf den viralen Lebenszyklus und die Interaktionen mit dem Mensch und dessen Immunsystem geben. Darüber hinaus konzentrieren sich laufende genetische Analysen auf häufig mutierte Regionen im Virusgenom sowie die Diversität und die Verbreitung von SARS-CoV-2 in Österreich und anderen Ländern.

Der erste Meilenstein des Projekts wurde durch die Veröffentlichung der ersten 21 SARS-CoV-2-Genome in den frei zugänglichen Datenbanken GISAID und nextstrain.org erreicht. Das Projekt umfasst ein interdisziplinäres Netzwerk mit zahlreichen nationalen Partnern, darunter Elisabeth Puchhammer-Stöckl und ihr Team vom Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien, die AGES und mehrere Universitäten aus ganz Österreich. In enger Zusammenarbeit mit diesen Partnern sollen insgesamt 1.000 virale Genome sequenziert werden. Die Daten werden die Möglichkeit bieten, die Mutationswege zu analysieren. Solche Erkenntnisse sind entscheidend, um zu verstehen, wie sich das Virus während der Übertragung von Mensch zu Mensch entwickelt.

 

(Quellen: Medizinische Universität Wien, CeMM (Research Center for Molecular Medicine of the Austrian Academy of Sciences), 3.4.2020)

 

 

SARS-CoV-2 Genomdaten: Die Sequenzierungsdaten und weitere Informationen sind auf nextstrain.org (Real-time tracking of pathogen evolution) und GISAID (Global Initiative on Sharing All Influenza Data) verfügbar.