Vierte Corona-Welle startet deutlich früher als zweite im Vorjahresherbst

© shutterstock

Die vierte Corona-Infektionswelle ist deutlich früher gestartet als die zweite Welle im Vorjahr. Die Zahlen – auch die Belegung der Intensivstationen – liegen bereits jetzt viel höher. Die Ärztekammer fordert rasch Maßnahmen.

Laut Zahlen der AGES lag die Sieben-Tage-Inzidenz drei Wochen vor dem Schulstart im Vorjahr bei zehn Infektionen pro 100.000 Einwohnern, am Samstag lag sie schon 63,2. Auch die Zahl der schweren Verläufe ist deutlich höher: Am Samstag lagen 55 Patientinnen und Patienten mit einer Corona-Infektion auf einer Intensivstation, ein Jahr zuvor waren es nur halb so viele (25).

Eine ähnlich hohe Sieben-Tages-Inzidenz wie derzeit gab es voriges Jahr erst am 15. September – also mehr als eine Woche nach dem Schulstart in Westösterreich. Auch damals grassierte das Virus unter den Jüngeren deutlich stärker als unter der älteren Bevölkerung. Am stärksten betroffen waren mit einer Inzidenz von knapp 122 die 15- bis 24-Jährigen. Auch heuer verzeichnet diese Altersgruppe die meisten Infektionen (mit einer Inzidenz von 143 pro 100.000 Einwohner). Allerdings ist die Inzidenz unter den älteren Semestern durch die dort weiter verbreitete Schutzimpfung heuer deutlich geringer als Mitte September des Vorjahres, als die Gesamtzahl der Infektionen über alle Altersgruppen hinweg in etwa auf dem aktuellen Niveau lag. Abzuwarten bleibt, wie rasch und wie weit die Infektionen und die schweren Verläufe nun ansteigen werden.

Die vom Covid-19-Prognose-Konsortium für kommende Woche erwartete Zahl von 740 Neuinfektionen pro Tag ist jedenfalls bereits diese Woche deutlich überschritten worden. Die Zahl der Intensivpatienten soll dieser Prognose zufolge bis 25. August auf 56 bis 97 ansteigen. Der Epidemiologe Gerald Gartlehner hat am Donnerstag bereits davor hingewiesen, dass die vierte Infektionswelle vor allem die Ungeimpften treffen werde. Aus den Bundesländern mehren sich angesichts der anrollenden vierten Coronavirus-Welle die Rufe nach Verschärfungen für Ungeimpfte. Aus Wien hieß es etwa, dass kein Weg daran vorbeiführen werde. „Wir haben noch vier bis sechs Wochen Zeit, die Impfquote zu erhöhen“, sagte Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) gegenüber der „Kronen Zeitung“ (Sonntag-Ausgabe). Nach diesem Zeitraum werde entschieden sein, „mit welchen Konsequenzen die vierte Welle kommt.“

Auch Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres fordert in seinem Blog rasche Maßnahmen: „Die Zahl der Hospitalisierungen steigt zwar leicht an, die Zahl derjenigen, die auf Intensivbetten liegen, ist jedoch noch nicht bedenklich. Dennoch, das Gesundheitssystem muss gewappnet sein. Und wir müssen bei der Impfkampagne Gas geben.“ Es scheine klar, dass 10 bis 15% der Bevölkerung „von vornherein impfresistent“ sind. „Sie sind logischen Argumenten nicht zugänglich. Dennoch bleibt ein bedeutender Teil an Impfskeptikern, vor allem aber bleiben tausende Eltern, die nicht sicher sind, ob sie ihr Kind impfen lassen wollen. Hier muss vor Ort aufgeklärt werden. Impfinformationsrunden zu Schulbeginn, Erfassung der Schulen und der dort unterrichtenden Lehrer, die geimpft bzw. nicht geimpft sind“, schreibt Szekeres. (red/APA)