Wachsende Kritik an Teststrategie und Quarantäneregeln

Fast 60.000 Neuinfektionen binnen eines einzigen Tages – die Corona-Strategie der Bundesregierung sorgt zunehmend für Kritik. Die Auslastung in Spitälern und die Belastung der Gesundheitsberufe steigt.

Bisher nicht da gewesene Dimensionen haben die Corona-Zahlen in Österreich erreicht. 58.583 Neuinfektionen sind den Ministerien zufolge am Mittwoch gemeldet worden. Das ist – elf Tage nach dem Aus fast aller Schutzmaßnahmen und kurz nach der Aussetzung der Impfpflicht – mit Abstand der höchste Wert seit Ausbruch der Pandemie. Der bisherige Höchstwert war mit 49.432 bestätigten Fällen am vergangen Donnerstag registriert worden. Auch die Zahl der hospitalisierten Covid-19-Kranken steigt – mehr als 3.000 liegen wieder in den Krankenhäusern. Mehr mit Covid-19 Hospitalisierte hatte es zuletzt am 7. Dezember des Vorjahrs gegeben, als sich Österreich in einem allgemeinen Lockdown befand. Auch die Entwicklung der Mortalitätskurve gibt Anlass zur Sorge. In den vergangenen sieben Tagen wurden 176 Todesfälle registriert.

Die Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien hat am Donnerstag anlässlich der derzeit stark steigenden Coronavirus-Fallzahlen Alarm geschlagen. Gerald Gingold, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte, warnte eindringlich davor, die Situation zu unterschätzen und dem Virus weiterhin „freien Lauf“ zu lassen. „Wir steuern geradewegs auf eine echte Versorgungskrise zu“, warnte der Mediziner.

„Unsere Spitäler sind überfüllt, unser Personal überlastet und großteils selbst infiziert, das kann alles noch sehr hässlich enden“, bekräftigte Gingold in einer Aussendung. Auf Zeit zu spielen und auf die wärmere Jahreszeit und dadurch niedrigere Zahlen zu hoffen, ist für den Mediziner „absolut falsch“. Er erinnerte daran, dass die Omikron-Variante zu Beginn des südafrikanischen Sommers sequenziert wurde und sich trotz steigender Temperaturen rasch verbreitet hatte.

Die Österreichische Ärztekammer hat am Mittwoch die vom neuen Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) angekündigte Reduktion der Gratis-Corona-Tests sowie die Lockerungen bei den Quarantäne-Bestimmungen scharf kritisiert. „Wenn man ganz offensichtlich eine mögliche Herdenimmunität erreichen und das Virus durchrauschen lassen will, dann sollte man das auch genauso kommunizieren“, sagte ÄÖK-Vizepräsident Harald Mayer in einer Aussendung. Auch solle man dieses Ziel „nicht in ein neues Verordnungschaos verpacken, das niemand versteht“, betonte Mayer, der auch Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte ist. Mit diesem Schritt seien „sehr hohe Neuinfektionszahlen in Österreich weiter garantiert“. (red/APA)