Umfrage bei MM-Patienten

Hohe COVID-19-Impfbereitschaft

Patienten mit Multiplem Myelom (MM) oder anderen Tumorerkrankungen sind aufgrund ihrer Erkrankung, insbesondere jedoch infolge der Therapien, anfälliger gegenüber Infektionskrankheiten. Die Vermeidung oder die Abmilderung von Infektionen durch Impfungen ist somit eine wichtige Säule des Therapiekonzepts. Ergebnisse einer rezenten Umfrage zeigen, dass MM-Patienten eine deutlich höhere Impfbereitschaft gegen COVID-19 aufweisen als die Normalbevölkerung.

Impfempfehlungen

MM-Patienten leiden häufig unter einer geschwächten Immunabwehr. Üblicherweise geht die Erkrankung mit einer Suppression des Immunsystems einher, welche durch Nebenwirkungen der diversen Therapien noch weiter verstärkt werden kann. Aus diesen Gründen zählen Infektionen immer noch zu den häufigsten nicht Myelom-bedingten Todesursachen.1 „Es sollten daher alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um das Risiko für Infektionen zu vermindern“, verdeutlichte Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig, Leiter des Wilhelminenkrebsforschungsinstituts in Wien. Daher werden MM-Patienten – aber auch jenen mit smouldering MM und mit monoklonaler Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) – die folgenden Impfungen empfohlen:1

Zudem scheint nach einer autologen Stammzelltransplantation eine Auffrischung dieser Impfungen (sechs bis zwölf Monate später) bzw. eine Titerüberprüfung sinnvoll. Es empfiehlt sich außerdem, den Status von Tetanus/Diphterie/Keuchhusten zu überprüfen. Die Auffrischung einer Tetanus-Impfung empfiehlt sich alle zehn Jahre. Ebenso sollte ein Antikörpernachweis von Masern/Mumps/Röteln durchgeführt werden und gegebenenfalls 24 Monate nach Stammzelltransplantation eine Auffrischung erfolgen.1

Hohe Impfbereitschaft bei MM-Patienten

In Kooperation mit den Selbsthilfegruppen Multiples Myelom Selbsthilfe Österreich, Myelom- und Lymphomhilfe Österreich, Myelom Deutschland und Myelom Patienten Schweiz führte das Wilhelminenkrebsforschungsinstitut eine Befragung über die Impfsituation bei Betroffenen (n = 365) durch. Primäre Zielsetzung war neben der Erhebung des „Ist-Impfstatus“ die Steigerung des Bewusstseins über den Nutzen von Impfungen, gerade bei dieser infektionsgefährdeten Patientengruppe. Erhoben wurde auch die Bereitschaft, sich einer Impfung mit SARS-CoV-2-Impfstoffen zu unterziehen.

Das Ergebnis der Befragung zeigte, dass sich die Impfbereitschaft von Betroffenen deutlich von jener der Normalbevölkerung unterscheidet: Laut einer Online-Umfrage der GfK von Ende September bis Anfang Oktober 2020 in der österreichischen Bevölkerung waren 21 % der Umfrageteilnehmer gewillt, sich „auf jeden Fall“ und 33 % sich „wahrscheinlich“ gegen COVID-19 impfen zu lassen. Eine weitere Umfrage des Gallup Instituts Anfang November 2020 zeigte sogar eine noch geringere Impfbereitschaft mit 20 % bzw. 26 %. MM-Patienten hingegen zeigten eine Impfbereitschaft von 82 %. Der impfbereiten, überwiegenden Mehrheit der Myelom-Patienten wird neben den Standard-Impfempfehlungen (siehe Abbildung) auch zur Impfung mit COVID-Vakzinen geraten. Ausgenommen davon sind Patienten mit aktiver, ungenügend kontrollierter Erkrankung, weil bei diesen mit einem geringeren Impferfolg zu rechnen ist. „Patienten mit Multiplem Myelom wissen um die Bedeutung einer Impfung zum Schutz gegenüber diversen Infektionserregern“, erläuterte Ludwig.

Die Gründe für die hohe Impfbereitschaft bei diesem Patientenkollektiv sind vielfältig: höheres Infektionsrisiko aufgrund der Grunderkrankung, höheres Sterberisiko bei einer COVID-19-Erkrankung, Krebspatienten befassen sich intensiver mit den Möglichkeiten der modernen Medizin und sind aufgrund des intensiveren Kontakts mit Ärzten häufiger und ausführlicher über Präventionsstrategien aufgeklärt. „Solange man gesund ist, missachtet man wichtige Versorgemaßnahmen. Mit der Bedrohung durch die Erkrankung steigt auch die Bereitschaft, eine Behandlung zu akzeptieren“, ergänzte Ludwig. 18 % der befragten Myelompatienten lehnten eine Impfung mit SARS-CoV-2-Impfstoffen ab. Die Argumente der Impfgegner sind jene, wie sie schon zu Zeiten der Einführung der oft lebensrettenden Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und gegen andere Impfstoffe waren: generelle Ablehnung, kein Glauben an die Wirksamkeit, fehlende Langzeiterfahrungen, Skepsis gegenüber der pharmazeutischen Industrie.

Quelle: virtuelle Pressekonferenz „Ändert sich die Impfbereitschaft gegen COVID-19 mit der individuellen Perspektive?“, 17. 12. 2020

1 Ludwig H et al., Leukemia 2021; 35(1):31–44