Atopische Dermatitis in der Schwangerschaft

Die Betreuung schwangerer Patientinnen mit atopischer Dermatitis (AD) gehört zu den sensibelsten Herausforderungen der Dermatologie: Es gilt, die Krankheitsaktivität zu kontrollieren, die Lebensqualität der Mutter zu erhalten und zugleich die Sicherheit des ungeborenen Kindes zu wahren. Während sich die therapeutischen Möglichkeiten der AD in den letzten Jahren durch den Einsatz von Biologika erheblich erweitert haben, bleibt deren Anwendung in der Schwangerschaft ein Feld mit begrenzter Evidenz und hoher klinischer Verantwortung.

Immunologische Verschiebung als „zweischneidiges Schwert“

Die AD ist die häufigste dermatologische Erkrankung in der Schwangerschaft und macht etwa die Hälfte aller Schwangerschaftsdermatosen aus. Unter dem klinisch gebräuchlichen Begriff der „atopischen Schwangerschaftsdermatose“ subsumiert sich ein heterogenes Spektrum pruriginöser, ekzematöser Hautveränderungen bei Patientinnen mit manifester oder latenter atopischer Diathese.

Pathophysiologisch prägt die Schwangerschaft eine ausgeprägte Verschiebung des Immunsystems in Richtung einer Th2-dominierten Antwort – ein Mechanismus, welcher der fetomaternalen Toleranz dient, zugleich jedoch atopische Erkrankungen begünstigen kann. Diese immunologische Reprogrammierung wird durch hormonelle Einflüsse, Veränderungen der epidermalen Barrierefunktion sowie Modulationen des kutanen Mikrobioms ergänzt. Zunehmend rückt auch der Einfluss pränatalen Stresses in den Fokus, der über erhöhte Glukokortikoidspiegel nicht nur die maternale Krankheitsaktivität, sondern potenziell auch die fetale Immunentwicklung im Sinne des „atopischen Marsches“ beeinflussen kann.

Zwischen Remission und Exazerbation

Der Verlauf der AD während der Schwangerschaft entzieht sich einer einfachen Prognose. Während ein Teil der Patientinnen eine Besserung der Symptomatik erfährt, kommt es bei einem nicht unerheblichen Anteil zu einer deutlichen Verschlechterung oder sogar Erstmanifestation. Klinische Beobachtungen und Kohortendaten legen nahe, dass Exazerbationen insbesondere im zweiten und dritten Trimenon auftreten, wenn die Th2-Dominanz immunologisch kulminiert. Postpartal zeigt sich häufig eine Besserung, wenngleich hormonelle Umstellungen auch persistierende oder erneute Schübe begünstigen können.
Von klinischer Relevanz ist weniger die Hautmanifestation per se als deren systemische Konsequenz: Ausgeprägter Pruritus, Schlafentzug und sekundäre Infektionen erhöhen die maternale Morbidität und können indirekt die fetale Entwicklung beeinflussen.

Therapeutische Notwendigkeit: Abwarten selten gerechtfertigt

Die Frage, ob eine AD in der Schwangerschaft behandelt werden soll, stellt sich in der Praxis kaum – vielmehr geht es um das „Wie“. Während milde Verläufe oft durch konsequente Basistherapie kontrollierbar sind, ist ein rein abwartendes Vorgehen bei moderater bis schwerer Erkrankung aus dermatologischer Sicht in der Regel nicht vertretbar. Chronischer Pruritus und Schlafmangel sind nicht nur belastend, sondern potenziell auch stressassoziierte Risikofaktoren für Mutter und Kind. Leitlinien empfehlen daher ausdrücklich eine adäquate Krankheitskontrolle – unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und bevorzugtem Einsatz etablierter Therapien.

Konventionelle Therapie: bewährt und prioritär

Die therapeutische Grundlage bildet weiterhin die intensive Basistherapie mit Emollienzien und Barrierestärkung. Topische Glukokortikoide niedriger bis mittlerer Potenz gelten bei adäquater Anwendung als sicher; hochpotente Präparate sollten zurückhaltend und zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Topische Calcineurin-Inhibitoren wie Tacrolimus oder Pimecrolimus können insbesondere in sensiblen Arealen als steroidsparende Alternative eingesetzt werden.
Die Phototherapie, insbesondere eine zeitlich limitierte Schmalband-UVB, stellt eine effektive und vergleichsweise sichere Option dar. Bei systemischem Therapiebedarf wird Ciclosporin leitliniengerecht als primäre Off-Label-Option empfohlen, da hier die umfangreichste Erfahrung in der Schwangerschaft vorliegt.

Tab.: Atopische Dermatitis in der Schwangerschaft – Therapieoptionen im Überblick

Biologika: Fortschritt mit Vorbehalt

Mit der Einführung zielgerichteter Therapien wie Dupilumab hat sich die Behandlung der moderaten bis schweren AD grundlegend gewandelt. Ihre Anwendung in der Schwangerschaft bleibt jedoch ein Off-Label-Szenario mit limitierten Daten. Monoklonale IgG-Antikörper passieren ab dem zweiten Trimenon zunehmend die Plazenta, wodurch insbesondere im dritten Trimenon eine relevante fetale Exposition zu erwarten ist. Dementsprechend fordern Fachinformationen eine strenge Indikationsstellung.

Dupilumab – zunehmende Evidenz bei vorsichtiger Interpretation: Die aktuelle Datenlage zu Dupilumab ist ermutigend, wenngleich nicht abschließend. Retrospektive Kohortenstudien und Fallserien zeigen bislang keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für kongenitale Fehlbildungen oder adverse Schwangerschaftsverläufe, insbesondere bei Exposition im frühen Trimenon. Diese Daten bieten eine gewisse Sicherheit bei unbeabsichtigter Frühschwangerschaftsexposition. Für eine kontinuierliche Therapie über alle Trimena hinweg reichen sie jedoch nicht aus.
In der klinischen Praxis kann Dupilumab bei schwerer, anderweitig nicht kontrollierbarer AD im Einzelfall erwogen werden – unter interdisziplinärer Abstimmung und nach ausführlicher Aufklärung der Patientin. Strategisch sinnvoll erscheint es, eine stabile Krankheitskontrolle bereits vor Konzeption zu erreichen und die Therapie bei Eintritt der Schwangerschaft kritisch zu reevaluieren.

Lebrikizumab – theoretisches Potenzial ohne klinische Evidenz: Im Gegensatz dazu fehlen für Lebrikizumab bislang belastbare klinische Daten zur Anwendung in der Schwangerschaft. Obwohl der selektive IL-13-Inhibitor in großen Phase-III-Programmen überzeugende Wirksamkeit gezeigt hat, wurden Schwangere konsequent ausgeschlossen. Pharmakologisch ist aufgrund der IgG-Struktur ein ähnliches plazentares Transferverhalten wie bei anderen Biologika anzunehmen. Aussagen zur fetalen Sicherheit sind derzeit jedoch rein hypothetisch. Vor diesem Hintergrund sollte Lebrikizumab in der Schwangerschaft nur in extrem begründeten Einzelfällen in Erwägung gezogen werden; eine Neuinitiation ist derzeit nicht zu empfehlen.

Praktisches Management: individualisiert und interdisziplinär

Die Versorgung schwangerer Patientinnen mit AD erfordert ein strukturiertes, stufenweises Vorgehen. Neben der Optimierung nichtpharmakologischer Maßnahmen steht der gezielte Einsatz etablierter Therapien im Vordergrund.
Bei unzureichender Kontrolle können Biologika wie Dupilumab in ausgewählten Fällen eingesetzt werden – jedoch stets im Kontext einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung und interdisziplinären Betreuung durch Dermatologie, Gynäkologie und gegebenenfalls Pädiatrie.

Fallbericht:
Eingeschränkte klinische Erfahrungen können aus der Universitätshautklinik Salzburg berichtet werden. Eine 32-jährige Erstgebärende mit langjähriger AD entschied sich für die Unterbrechung der etablierten Dupilumab-Therapie bei Schwangerschaftsbeginn. Ab der 17. Schwangerschaftswoche kam es zu einer Exazerbation (EASI 11,3, Juckreiz VAS 10/10, Schlafqualität 2/10 mit 3 Wachphasen), woraufhin eine Reinduktion in der 21. Schwangerschaftswoche (2. Trimenon) konsensuell beschlossen und bis zur Geburt eines gesunden Kindes fortgeführt wurde.
Der positive Verlauf wurde an die zuständige Pharmakovigilanz gemeldet.

 

Fazit

Die Therapie der atopischen Dermatitis in der Schwangerschaft ist ein Paradebeispiel moderner individualisierter Medizin: evidenzbasiert (aber nicht evidenzgetrieben), leitlinienorientiert und patientenzentriert.
Während konventionelle Therapien weiterhin die tragende Säule bilden, eröffnen Biologika neue Perspektiven – allerdings unter der Prämisse klinischer Zurückhaltung. Die zunehmende Verfügbarkeit von Registerdaten, insbesondere zu Dupilumab, wird in den kommenden Jahren entscheidend dazu beitragen, die therapeutische Sicherheit in diesem sensiblen Setting weiter zu präzisieren.