Dupilumab bei atopischer Dermatitis: Typ-2-Inflammation bremsen

Vielversprechende neue therapeutische Ansätze bei atopischer Dermatitis, darunter die Blockade des IL-4/-13-Signalweges durch das erste in dieser Indikation zugelassene Biologikum Dupilumab (Dupixent®), wurden im Rahmen des 6. Symposiums SPECTRUM Dermatologie kompakt vorgestellt. 

Bei einer ganzen Reihe immunvermittelter entzündlicher Erkrankungen, darunter die atopische Dermatitis (AD), spielt die Typ-2-Inflammation eine wesentliche Rolle. Zu den Schlüsselzytokinen dieser Immunreaktion zählen Interleukin-(IL-)4, IL-5 und IL-13. Die kombinierte Blockade von IL-4/-13 stellt dementsprechend einen wirksamen Therapieansatz bei AD sowie auch anderen Typ-2-Erkrankungen (z. B. Asthma bronchiale oder chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen) dar.1

Erstes Biologikum bei AD: Die Zulassung des ersten und bislang einzigen biologischen Arzneimittels bei AD – Dupilumab (Dupixent®) – im Jahr 2017 beendete den langen Stillstand in der Entwicklung neuer Therapien in dieser Indikation. Der monoklonale Antikörper hemmt die gemeinsame Rezeptoruntereinheit der Typ-2-Zytokine IL-4 und IL-13 und folglich die entsprechenden Signalwege. Dupilumab wird zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer AD bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen2, angewendet und befindet sich in der Gelben Box (RE1) des Erstattungskodex. 

Univ.-Doz. Dr. Paul Sator (Wien) präsentierte ausgewählte Daten aus dem globalen LIBERTY-Studienprogramm, in welchem Dupilumab als Monotherapie wie auch in Kombination mit topischen Kortikosteroiden (TCS) signifikante und anhaltende Verbesserungen der Hautläsionen, des Juckreizes und der Lebensqualität bewirkte. 

Erwachsene mit moderater bis schwerer AD wurden in SOLO-1 und -2 über 16 Wochen mit einer Dupilumab-Monotherapie behandelt.3 Die 52-wöchige CHRONOS-Studie evaluierte Dupilumab in Kombination mit TCS in derselben Patientenpopulation.4 Der primäre Studienendpunkt – vollständig oder nahezu klare Haut (IGA 0/1) zu Woche 16 wurde von bis zu 38 % der Patienten unter Dupilumab-Monotherapie und 39 % unter Dupilumab + TCS erreicht (Placebo: 10 % bzw. 12 %).3, 4 Die EASI-75-Ansprechrate nach 16 Wochen lag bei bis zu 52 % in den Dupilumab-Monotherapiestudien und 69 % in der Kombinationsstudie (Placebo: 15 % und 23 %).3, 4 Das gute Ansprechen der Haut blieb in der CHRONOS-Studie über den Beobachtungszeitraum von 1 Jahr erhalten.4 Auch das für AD-Patienten sehr belastende Symptom Juckreiz besserte sich signifikant: So berichteten bis zu 41 % unter Dupilumab- Monotherapie und 59 % unter Dupilumab + TCS einen Rückgang des Juckreizes um ≥ 4 NRS-Punkte nach 16 Wochen (Placebo: 12 % und 20 %). Das wirkte sich auch günstig auf die Lebensqualität aus.3, 4 

In der Studie AD-ADOL5 erwies sich eine Dupilumab-Monotherapie auch bei Jugendlichen mit moderater bis schwerer AD als effektiv und sicher: Im Vergleich zu Placebo erreichten deutlich mehr Patienten unter Dupilumab (200 oder 300 mg alle 2 Wochen, je nach Gewicht) nach 16 Wochen die koprimären Endpunkte EASI-75 (8,2 % vs. 41,5 %) und IGA 0/1 (2,4 % vs. 24,4 %). Eine klinisch relevante Juckreiz-Verbesserung erreichten ca. 37 % unter Dupilumab, verglichen mit knapp 4,8 % unter Placebo.5 

Zukünftige Therapieoptionen: Neben Dupilumab befinden sich zahlreiche neue Therapieinnovationen bei AD in klinischer Erprobung bzw. kurz nach Zulassung, wie Sator berichtete. Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Biologika inkludieren Antikörper gegen IL-13, IL-22, IL-31, IL-33 und TSLP („thymic stromal lymphopoietin“). Die neueste systemische Therapieoption zur Behandlung der AD sind JAK-Inhibitoren, die – anders als Biologika – nicht nur ein bestimmtes Zytokin, sondern gleich mehrere in der Pathogenese der AD wichtige Entzündungsmediatoren hemmen. Ebenfalls neu und seit kurzem zugelassen ist der topische PDE-4-Hemmer Crisaborol zur Therapie der leichten bis moderaten AD.6 

 Fälle aus der Praxis

 Ein 77-jähriger Patient mit late-onset AD seit 5 Jahren (EASI 16, SCORAD 65, IGA 3) wurde auf Dupilumab eingestellt, nachdem zahlreiche Vortherapien (UVB-Phototherapie, systemisches Kortikosteroid, Ciclosporin A, Antihistaminika, multiple Lokaltherapeutika) kein zufriedenstellendes Ergebnis gebracht hatten. Innerhalb nur 1 Woche besserte sich die Hautsymptomatik um 30 %, nach 12 Wochen war ein vollständig klares Hautbild erreicht. 2 Jahre später ist der Patient noch immer erscheinungsfrei, die Therapie gut verträglich, das Labor unauffällig. 

Ein 32-jähriger Patient leidet seit dem 4. Lebensjahr an AD. Er hat außerdem eine Depression, die mit Lamotrigin behandelt wird. Der klinische Status des Patienten: EASI 32, SCORAD 74, IGA 3. Eine Reihe von lokalen und systemischen Vortherapien brachte keine Besserung, sodass eine Dupilumab- Therapie initiiert wurde. Nach 4 Wochen zeigte sich eine Besserung der Hautsymptomatik um 50 % sowie des Juckreizes um 75 %. Die Verbesserung des Hautbilds setzte sich fort und lag nach 12 Wochen ebenfalls bei 75 %. Seit nunmehr 15 Monaten zeigt sich das Therapieansprechen konstant, bei guter Verträglichkeit und unauffälligem Labor. 

 

Quelle:
1 Ghandi NA et al., Nat Rev Drug Discov 2016; 15(1):35–50;
2 Fachinformation Dupilumab®, Stand Juni 2020; 3 Simpson EL et al., N Engl J Med 2016; 375(24):2335–48; 4 Blauvelt A et al., Lancet 2017; 389(10086):2287–303; 5 Simpson EL et al., JAMA Dermatol 2020; 156(1):44–56; 6 Renert-Yuval Y et al., Dermatol Clin 2019; 37(2):205–13