Ass.-Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Katrin Milger-Kneidinger
Klinische Abteilung für Pneumologie, Universitätsklinik für Innere Medizin, Medizinische Universität Graz
Prof.in Milger-Kneidinger: Mit unserer Studie wollten wir vor allem zwei wichtige Fragen beantworten. Erstens, wie gut Dupilumab bei schwerem Asthma langfristig wirkt – konkret über einen Zeitraum von drei Jahren. Gerade dazu gibt es bislang noch vergleichsweise wenige unabhängige Real-World-Daten. Zweitens war uns wichtig, wirklich alle Patient:innen nachzuverfolgen – also nicht nur jene, welche die Therapie fortgeführt haben, sondern auch diejenigen, die sie aus unterschiedlichen Gründen beendet haben.
Es handelte sich um eine retrospektive Beobachtungsstudie an vier spezialisierten Asthma-Zentren in Deutschland. Eingeschlossen wurden erwachsene Patient:innen mit schwerem Asthma, die zwischen 2019 und 2021 erstmals mit Dupilumab behandelt wurden. Die Begrenzung auf diesen Zeitraum hatte einen wichtigen Grund: Wir wollten für alle eingeschlossenen Patient:innen ein vollständiges Follow-up über drei Jahre sicherstellen. Deshalb wurden Personen, die erst später mit der Therapie begonnen haben, nicht mehr berücksichtigt.
Wie der Begriff „retrospektive Beobachtungsstudie“ bereits impliziert, erfolgte die Therapie mit Dupilumab im Rahmen der regulären klinischen Versorgung. Die erhobenen Behandlungsdaten wurden anschließend retrospektiv ausgewertet.
Ein zentrales Ergebnis war zunächst die hohe Therapiepersistenz: Rund 60 % der Patient:innen führten die Dupilumab-Therapie auch nach drei Jahren noch fort. Die übrigen 40 % hatten die Behandlung im Verlauf aus unterschiedlichen Gründen beendet.
Bei den Patient:innen unter fortgesetzter Therapie zeigte sich ein anhaltend gutes Langzeitansprechen. Die Exazerbationsrate war deutlich reduziert, der Bedarf an oralem Kortikosteroid ging stark zurück, die Symptomkontrolle verbesserte sich signifikant, und auch die Lungenfunktion nahm im Mittel klar zu.
Besonders interessant war zudem das Thema Remission. Etwas mehr als ein Viertel der Patient:innen, die nach drei Jahren noch behandelt wurden, erfüllten die Kriterien einer klinischen Remission (Abb.). Das ist ein sehr gutes Ergebnis und deckt sich auch mit Daten aus anderen Real-World-Kohorten.

Abb.: Klinische Remission in der Gesamtkohorte nach 12 und 36 Monaten unter Dupilumab-Therapie. Die Unterabbildungen zeigen die Anzahl der Patient:innen, welche die einzelnen Remissionskriterien erfüllten.
Der häufigste Grund für ein Absetzen war ein unvollständiges Therapieansprechen. In vielen Fällen wurde dann auf ein anderes Biologikum gewechselt – in der Hoffnung, dadurch noch bessere Effekte zu erzielen. Ein kleinerer Teil der Patient:innen beendete die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen.
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Neue Baseline-Prädiktoren konnten wir in dieser Kohorte nicht identifizieren. Man muss allerdings berücksichtigen, dass bekannte Faktoren bereits bei der Patientenselektion eine Rolle gespielt haben – beispielsweise erhöhte Typ-2-Biomarker. Dadurch war die Population natürlich bereits vorselektiert.
Interessant war jedoch, dass ein frühes funktionelles Ansprechen offenbar prognostische Aussagekraft hat: Patient:innen mit einer deutlichen Verbesserung der Lungenfunktion nach drei Monaten hatten auch langfristig häufiger eine Remission nach drei Jahren. Auch ein leichter initialer Anstieg der Bluteosinophilen schien eher mit einem guten Therapieansprechen assoziiert zu sein. Das könnten Hinweise sein, worauf man zu Beginn der Therapie besonders achten sollte.
Eine wesentliche Stärke der Studie ist der lange Beobachtungszeitraum unter Real-World-Bedingungen sowie die konsequente Nachverfolgung aller Patient:innen – auch jener, welche die Therapie beendet oder gewechselt haben. Dadurch ergibt sich ein realistisches Bild der Versorgung im klinischen Alltag.
Limitationen ergeben sich naturgemäß aus dem retrospektiven Design und der bereits vorselektierten Patientenpopulation innerhalb der zugelassenen Indikation – die Möglichkeiten, völlig neue Prädiktoren oder Subgruppenmerkmale zu identifizieren, sind entsprechend eingeschränkt.
Für die Praxis zeigen die Daten jedoch klar, dass Dupilumab bei schwerem Asthma langfristig eine sehr effektive Therapieoption sein kann. Insbesondere Patient:innen mit frühem Therapieansprechen profitieren offenbar auch langfristig. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse aber auch, dass die Auswahl des optimalen Biologikums trotz vorhandener Biomarker weiterhin nicht immer eindeutig ist. Therapieumstellungen bleiben daher im klinischen Alltag durchaus relevant.