Innovation als Haltung

„Wir möchten das Leben von Patientinnen und Patienten zum Positiven beeinflussen, indem wir mit unserer Forschung und Entwicklung Durchbrüche erzielen“, erläutert Mag.a Nicole Zahradnicek, seit 1. Dezember 2025 Country Lead der Pfizer Corporation Austria. Derzeit befinden sich in der Pfizer-Pipeline über 100 Entwicklungsprogramme in allen Phasen, davon rund 30 in Phase III. Dabei ist es Zahradnicek wichtig hervorzuheben, dass Innovation für sie auch eine Haltung ist: „Wie treffen wir Entscheidungen, wie arbeiten wir zusammen, wie entwickeln wir uns als Organisation weiter – auch in diesen Aspekten versuchen wir innovativ vorzugehen.“

Bessere Chancen für Patient:innen

Ein besonderer Erfolg der letzten Jahre sind für Zahradnicek die immer präziseren Therapien, mit denen Patient:innen immer gezielter behandelt werden können: „Solche zielgerichteten Therapien stehen mittlerweile in der Hämatologie und auch bei bestimmten Brustkrebsformen zur Verfügung. Gerade bei metastasierten onkologischen Erkrankungen können wir den Betroffenen dadurch bessere Chancen und eine gesteigerte Lebensqualität ermöglichen.“
Weitere wichtige Meilensteine der Unternehmensgeschichte in den letzten Jahren sieht sie im Bereich Infektionserkrankungen und erinnert an den COVID-Impfstoff sowie die COVID-Therapieoptionen aus dem Hause Pfizer. „Zudem haben wir einen Impfstoff gegen RSV (respiratorisches Synzytial-Virus) entwickelt und können so viele Menschen vor dieser Atemwegsinfektion schützen, die vor allem Babys und ältere Menschen betrifft“, berichtet Zahradnicek.
Als weiteren großen Erfolg der letzten Jahre nennt sie eine Migränetherapie, die 2025 auf den Markt gebracht wurde und die sowohl als prophylaktische als auch als Akuttherapie eingesetzt werden kann.

Personalisierte Medizin weiter vorantreiben

Auch in Zukunft will man bei Pfizer die personalisierte Medizin weiter vorantreiben, um die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen noch besser unterstützen zu können. Zahradnicek: „Dabei bleibt die Onkologie einer unserer Forschungsschwerpunkte, auch aufgrund der Zunahme der Krebserkrankungen – hier braucht es weitere innovative Therapiemöglichkeiten. Daher werden wir in diesem Bereich auch in Zukunft intensiv forschen, entwickeln und hoffentlich neue Medikamente auf den Markt bringen können.“
Ebenfalls im Fokus des Forschungsinteresses von Pfizer stehen zudem weiterhin Infektionserkrankungen. „Wir wollen dort Lösungen finden, wo es derzeit noch keine Therapien oder Impfstoffe gibt, beispielsweise bei Streptokokkeninfektionen und Borreliose“, so Zahradnicek weiter, und sie unterstreicht in diesem Zusammenhang auch: „Dabei engagieren wir uns auch dafür, dass Medikamente und Impfstoffe wirklich bei den Betroffenen ankommen. Gerade im Impfstoffbereich ist das Zusammenspiel von Wissenschaft und Politik sehr wichtig, unter anderem auch in Bezug auf die Finanzierung von Impfstoffen.“
Darüber hinaus will sich das Unternehmen verstärkt dem Bereich Adipositas widmen, daher hat Pfizer im November 2025 den Adipositas-Spezialisten Metsera übernommen, „um auch in dieser Indikation Verantwortung zu übernehmen und das Leben vieler Betroffenen zu verbessern“, erklärt Zahradnicek.

Tatsächliche Nutzenbewertung statt kurzfristiger Kostenbeurteilung

Dem österreichischen Gesundheitssystem attestiert die Geschäftsführerin von Pfizer Austria eine Vielzahl von Stärken, darunter gut ausgebildete Fachkräfte und ein sehr gutes Versorgungssystem, das darauf abzielt, alle Patient:innen bestmöglich betreuen zu können. „Wir haben in Österreich ein Gesundheitssystem, auf das wir stolz sein können, an dem wir aber kontinuierlich weiterarbeiten müssen, damit das auch so bleibt“, betont Zahradnicek. Denn sie sieht auch kleine Schwachstellen: So dauert es ihrer Ansicht nach bei innovativen Therapien im EU-Vergleich in Österreich manchmal länger, bis diese bei den Patient:innen tatsächlich ankommen. Hier ortet sie Verbesserungspotenzial, denn: „Das ist wertvolle Zeit, die den Betroffenen zugutekommen kann und soll!“ Damit dies gelingt, brauche es u.a. transparente und schnelle Entscheidungsprozesse in Bezug auf Erstattung und Nutzenbewertung, so Zahradnicek. Ihr Appell an alle Entscheidungsträger: „Ich würde mir wünschen, dass wir diesbezüglich die Zusammenarbeit stärken, damit Entscheidungen schneller getroffen werden können, und dass Nutzenbewertungen von Therapien über die klassische kurzfristige Kostenbeurteilung hinausgehen.“

Förderung der Prävention

Grundsätzlich ist Zahradnicek der Meinung, dass es in Österreich sowie weltweit von großer Bedeutung wäre, die Prävention verstärkt auszubauen; „Wenn die Gesundheitssysteme stärker präventiv arbeiten, könnte eine große Zahl von Todesfällen verhindert werden. Die Weltgesundheitsorganisation spricht von 4–5 Millionen Todesfällen, die durch Prävention verhindert werden könnten!“
Zahradnicek ist davon überzeugt, dass mehr Engagement im Bereich Prävention auch die langfristige Finanzierbarkeit der Gesundheitssysteme unterstützen würde: „Dafür müssten Innovationen und Folgekosten einander gegenübergestellt werden. Entscheidende Fragen dabei sind: Was kostet das jetzt? Was bringt es uns in Zukunft? – Diese Diskussionen müssen wir jetzt führen, um unser Gesundheitssystem langfristig gut und auch leistungsfähig aufgestellt zu haben. Dazu gehört auch eine Umorientierung hinsichtlich der Bewertung von Therapien: weg von der kurzfristigen Kostenevaluierung hin zum langfristigen Nutzengedanken.“

Standort Österreich stärken

Vor dem Hintergrund eines starken internationalen Wettbewerbs und diverser geopolitischer Veränderungen hält Zahradnicek es für unerlässlich, den Standort Österreich zu stärken. Die Industriestrategie der österreichischen Bundesregierung setzt hier ihrer Ansicht nach wichtige Impulse, die aber gerade im Bereich Life Sciences noch klarere Prioritäten brauchen. Dazu gehören für sie u.a.:

  • Schaffung von Rahmenbedingungen, die Forschung und Entwicklung in Österreich stärken: „Wir haben exzellente Wissenschafterinnen und Wissenschafter, wir haben exzellente Zentren. Daran müssen wir weiterarbeiten, denn jeder Wissensgewinn bringt nicht nur den Betroffenen etwas, sondern auch dem Standort Österreich“, so Zahradnicek.
  • Innovation rasch zu den Betroffenen bringen, denn „Medikamente können nur dann wirken, wenn sie auch bei den Menschen ankommen. Das bedeutet, Innovationen müssen früh und uneingeschränkt verfügbar sein. Damit dies gelingt, braucht es schnelle Bewertungsprozesse, die Möglichkeit, Gesundheitsdaten für Forschung und Entwicklung nutzen zu können, sowie eine Verbesserung der digitalen Infrastruktur in Österreich“, betont sie weiter.
  • Stärkung der heimischen Produktion: „Die Diskussion der letzten Jahre über Arzneimittelengpässe, Verfügbarkeit von Medikamenten etc. hat gezeigt, wie wichtig Produktion im eigenen Land ist. Die Pharmaindustrie an sich schafft viele Arbeitsplätze, direkt, aber noch viel mehr indirekt. Das heißt, wir sind ein relevanter Wirtschaftsbereich – das stärkt den Standort, das stärkt die Wirtschaft.“ Pfizer selbst betreibt in Orth a.d. Donau einen Produktionsstandort für Impfstoffe und versorgt von dort aus den gesamten weltweiten Markt mit bestimmten Impfstoffen. „Wir sind besonders stolz, dass der in Orth produzierte FSME‑Impfstoff heuer sein 50‑jähriges Jubiläum feiert. In diesen 50 Jahren ist FSME weltweit in den betroffenen Regionen deutlich zurückgegangen – und das ist zum großen Teil eine österreichische Erfolgsgeschichte“, unterstreicht Zahradnicek.

Abschließend fasst sie nochmals zusammen: „Diese drei erwähnten Aspekte können dazu beitragen, noch effizienter zu werden, als wir bereits sind. Im Endeffekt geht es bei all diesen Bemühungen immer darum, dass die Menschen in Österreich Zugang zu der bestmöglichen Therapie haben – und das so schnell und so gut wie möglich!“