© shutterstock Impfpflicht für Gesundheitsberufe und alle über 50jährigen, weniger Lockdownphasen und weniger Infektionsfälle: Es gibt ein Nachbarland, das deutlich besser dasteht als Österreich. Warum die Ärzteschaft dennoch streiken will.
Die italienischen Ärzte haben für Anfang März einen Streik ausgerufen. Die Regierung von Premier Mario Draghi versucht nun den Konflikt durch neue Maßnahmen zu entschärfen. Gesundheitsminister Roberto Speranza kündigte Pläne für einen neuen landesweiten Kollektivvertrag für Hausärzte an. „Der Hausarzt fühlt sich allein gelassen, wenn er nicht mit dem nationalen Gesundheitssystem eng vernetzt ist. Ich arbeite mit den Regionen und den Hausarztverbänden zusammen, um die aktuellen Schwierigkeiten zu überwinden“, sagte Speranza. Er reagierte damit auf die Ankündigung der Hausärzte, am 1. und 2. März aus Protest gegen die Arbeitsbedingungen ihre Praxen zu schließen. Der Streik richtet sich gegen die „unerträgliche Arbeitsbelastung, mangelnden Schutz sowie überbordende Bürokratie“ in der Corona-Pandemie, hieß es in einem Schreiben der Ärztevertretungen SMI und SIMET.
Die Ärzte kritisierten unter anderem den Beschluss der Regierung, Familien von Kollegen nicht zu entschädigen, die an Covid-19 gestorben sind. „Dies ist ein Schlag ins Gesicht seitens des Staates, insbesondere für die Waisen dieser Ärzte“, hieß es. 370 Ärzte sind in Italien an Covid-19 gestorben, die meisten in der akutesten Phase der Pandemie im Frühjahr 2020. „Wir wollen unsere Rolle und unsere Berufswürde zurückgewinnen, um die uns anvertrauten Patienten bestmöglich behandeln zu können. Wir streiken, weil wir mehr Ärzte vor Ort brauchen: Heute gibt es in unserem Land mehr als drei Millionen Bürger ohne Hausarzt. Die ärztlichen Bereitschaftsdienste werden entweder geschlossen oder wegen Personalmangels zusammengelegt. Viele Krankenwagen haben keinen Arzt an Bord. Wir wollen, dass junge Ärzte für diesen Beruf gewonnen werden“, heißt es.
Italien hat als erstes EU-Land eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal eingeführt, die dann auch auf Lehrer und Sicherheitskräfte ausgedehnt wurde. Am 8. Jänner wurden schließlich alle über 50-Jährigen verpflichtet, sich immunisieren zu lassen. Wer sich nicht impfen lässt, muss mit einer Strafe von 100 Euro rechnen. Das Ergebnis: 91 Prozent der Menschen in Italien im Alter von über zwölf Jahren haben zumindest eine Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten. Am 31. März wird der seit zwei Jahren geltende Ausnahmezustand wegen der Pandemie nicht verlängert werden, doch das wissenschaftliche Komitee CTS, das die Regierung beraten hat, wird weiterhin im Einsatz bleiben. „Wir haben in diesen zwei Jahren Seite an Seite mit den Wissenschaftern gearbeitet, und das wird sich auch nicht ändern“, erklärte der Minister. (red/APA)