© VRD – stock.adobe.com Nach der Präsentation der Gesundheitsreform warnen Allgemein- und Familienmediziner:innen: Primärversorgungszentren allein seien kein Allheilmittel für die hausärztliche Versorgung in Österreich.
Die Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM) begrüßt den politischen Willen, die Primärversorgung auszubauen. Kritisch sieht sie jedoch, dass sich dieser Ausbau in den vergangenen Jahren fast ausschließlich auf Primärversorgungszentren (PVZ) konzentriert habe. Andere Organisationsformen wie Einzel- und Gruppenpraxen oder Primärversorgungsnetzwerke (PVN) seien dagegen nur schleppend umgesetzt worden. Wie berichtet plant die Politik insgesamt 600 PVe – das wären im Schnitt vier pro Bezirk.
Ein alleiniger Fokus auf Primärversorgungszentren benachteilige vor allem die ländliche Bevölkerung, argumentiert ÖGAM-Präsident Peter Kowatsch. „Wenn kostenfreier Zugang zu Psychotherapie, Diätologie oder Physiotherapie nur im PVZ möglich ist, verlängern sich die Anfahrtswege für viele Menschen erheblich – und immer mehr Gemeinden bleiben ganz ohne Hausarzt oder Hausärztin zurück.“ Auch lange Öffnungszeiten seien aus fachlicher Sicht kein taugliches Qualitätskriterium für eine gute Primärversorgung.
Die ÖGAM fordert daher einen gleichwertigen Zugang zu nichtärztlichen Gesundheitsberufen auch für Einzel- und Gruppenpraxen, etwa über neue Pool-Modelle, sowie einen raschen Ausbau von Primärversorgungsnetzwerken (PVN). Zudem brauche es einen einheitlichen Versorgungsauftrag für alle Formen der Primärversorgung. „Die alleinige Vermehrung von Primärversorgungseinheiten löst das eigentliche Steuerungsproblem im System nicht. Die Herausforderungen im Arbeitsalltag sind in Zentren, Netzwerken und Einzelpraxen exakt dieselben”, betont Kowatsch.
Weiters spricht sich die ÖGAM für ein freiwilliges Einschreibmodell in der hausärztlichen Primärversorgung aus. Internationale Studien zeigten, dass ein solches Modell nachweislich die Patient:innenbetreuung verbessern könne, von Ärzt:innen und Teams gut angenommen werde und die Gesamtkosten im System senken könne. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum ein derart gut belegtes Modell in der aktuellen Reformplanung bislang keine Rolle spielt”, so Kowatsch. (tab)