ELGA-Debatte: Softwarehersteller fordern mehr Geld für Ausbau

Eduard Schebesta und Manfred Müllner (c) FEEI
Medizinsoftwarehersteller fordern eine raschere und umfassendere Umsetzung der Elektronischen Gesundheitsakte. Sie verlangen, dass statt derzeit 100 Mio. künftig 300 Mio. Euro pro Jahr in die Digitalisierung des Gesundheitswesens investiert werden.
In die jüngste Debatte um die Zukunft der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA haben sich nun auch die Medizinsoftwarehersteller eingeschaltet. Sie forderten in einer Pressekonferenz, dass die künftige Bundesregierung den digitalen Gesundheitsstandort zur „Causa Prima“ erklären soll. Mit massiven Investitionen könnten nicht nur Verbesserungen für die Patienten erreicht werden, sondern auch rund zwei bis vier Milliarden Euro eingespart werden, rechneten Eduard Schebesta, Sprecher der Medizinsoftwarehersteller und Manfred Müllner, stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie, am Donnerstag vor. Sie bezogen sich damit auf eine McKinsey-Studie, die für Deutschland ein Potenzial von 39 Milliarden ergab und rechneten diese auf Österreich herunter.
Als Beispiel nannte Schebesta Radiologiebefunde, die derzeit nicht in ELGA gespeichert werden. Wenn der Patient einen Röntgenbefund beim niedergelassenen Arzt bekommt, kostet die Einspeicherung rund zwei Euro. Wenn er ins Spital kommt, werde das gleiche Röntgenbild nochmals gemacht, das bedeute nicht nur doppelte Strahlenbelastung für den Patienten, sondern zusätzliche Kosten von rund 200 Euro. Gleiches gelte auch für Labor- und für Facharztbefunde, die derzeit auch in ELGA fehlen. Allein mit diesen drei Dingen könnten nicht nur Einsparungen lukriert, sondern auch die Wartezeiten reduziert und das System der Zu- und Überweisungen effizienter gemacht werden, meinte der Wirtschaftsvertreter.
Der derzeitige Umsetzungsplan für ELGA reicht den Softwareherstellern nicht. Sie fordern eine digitale Roadmap für das gesamte Gesundheitswesen, die umfassender und verbindlicher sein soll. Neben verbindlichen Zielen sollten darin auch Finanzierungspläne und eine Kosten-Nutzen-Analyse enthalten sein. Schebesta verwies hier auf den geplanten elektronischen Impfpass, der im kommenden Jahr mit einem Pilotprojekt starten soll. Er prophezeite, dass die Sache nach dem Pilotprojekt wieder stehen werde, weil es keine Vereinbarung mit den Ärzten über die Abgeltung ihrer Kosten gebe. An die Ärztekammer appellierten die Wirtschaftsvertreter ELGA nicht zu stoppen, sondern gemeinsam weiterzuentwickeln. Die Ärzte sollten die Implementierung der derzeit in Umsetzung befindliche E-Medikation unterstützen und aktiv am Dialog teilnehmen. Die aufgetretenen Anlaufschwierigkeiten seien normal, man dürfe deshalb nicht das ganze Projekt in Frage stellen.(APA)