Experten-Konsens zum Blutdruck: Niedriger ist auf jeden Fall besser

Erstmals haben jetzt 13 österreichische Medizin-Fachgesellschaften einheitliche Empfehlungen publiziert. Dabei wurden auch entsprechende Werte für Hypertonie fixiert. Es gilt: Niedrige „Pegel“ sind immer gesünder.

Das Wichtigste des Experten-Konsens: Bei Messung beim Arzt sind Werte von weniger als 120 mmHg systolisch und weniger als 80 mmHg diastolisch „optimal“. 120 bis 129 mmHg systolisch und/oder 80 bis 84 mmHg diastolisch gelten als „normal“. Als „hochnormal“ werden 130 bis 139 mmHg systolisch und/oder 85 bis 89 mmHg diastolisch eingestuft. Ab 140 bis 159 mmHg systolisch und/oder 90 bis 99 mmHg diastolisch ist eine Hypertonie (in diesem Fall Grad 1) gegeben. Darüber gibt es noch zwei weitere Schweregrade der Hypertonie (160 bis 179 mmHg systolisch und/oder 100 bis 109 mmHg diastolisch als Grad 2 sowie mehr als 180 mmHg systolisch und/oder mehr als 110 mmHg diastolisch als Grad 3). Bei Selbstmessung (z.B. zu Hause) gelten im Grunde die gleichen Werte, die Grenze zur Hypertonie wird aber bereits bei 135/80 mmHg gesetzt.

Thomas Weber (Krankenhaus Klinikum Wels-Grieskirchen) und die übrigen Autoren der österreichischen Fachgesellschaften (z.B. Österreichische Gesellschaft für Hypertensiologie, Österreichische Atherosklerosegesellschaft, Österreichische Diabetes Gesellschaft, Österreichische Kardiologische Gesellschaft, Österreichische Gesellschaft für Innere Medizin etc.) schreiben in dem jetzt in der Wiener Klinischen Wochenschrift veröffentlichten Konsensus-Bericht: „Unter 67 Risikofaktoren, die in der Global Burden of Disease Studie (Lancet) untersucht wurden, war systolischer Blutdruck über 115 mm Hg der führende einzelne Risikofaktor für vorzeitige Sterblichkeit und für disability-adjusted life-Years/DALYs (Maß wegen Krankheit verlorener Lebensjahre, Anm.) weltweit, verantwortlich für 9,4 Millionen Todesfälle und für sieben Prozent der globalen DALYs. Eine weitere Analyse dieser Studie fand, dass 14 Prozent aller weltweiten Todesfälle auf Hypertonie zurückgeführt werden können (…).“ Einen Schwellenwert nach unten, zumindest bis zu systolisch 115 mmHg gebe es offenbar nicht – je weniger Blutdruck, desto besser.

Gesunder Lebensstil, Nichtrauchen, wenig Alkoholkonsum, Ausdauersport etc. sind laut den Fachleuten die primären Behandlungsstrategien. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Arzneimitteln mit unterschiedlichem Wirkmechanismus. Das Ziel sollte es sein, auch eventuell mit der Kombination von drei oder mehr Substanzen, den Blutdruck anhaltend in die Normwerte zu bringen. Hier sieht es in Österreich allerdings offenbar schlecht aus. „In einer neueren Studie mit Messung in Apotheken mit mehr als 4.300 Patienten erreichten nur 41 Prozent der behandelten Hypertoniker, die ein Rezept einlösten, normotensive Blutdruckwerte. Eine weitere neue Studie mit Apothekenmessung an mehr als 10.000 Personen zeigte, dass 29 Prozent der Personen ohne bekannten Bluthochdruck und 57,3 Prozent der Personen mit gekanntem (und meist behandelten) Bluthochdruck hypertensive Blutdruckwerte aufwiesen.“ (APA)