Gesundheitsreform: Plädoyer für hausarztzentrierte Versorgung

Susanne Rabady © Klaus Ranger

Nicht nur der Rechnungshof spricht sich für einen Ausbau der Primärversorgung aus, auch von Hausärzt:innen kommen jetzt Inputs zu Reform. Man sei mehr als „Gatekeeper“, wie das die Regierung plant, heißt es in Richtung Fachärzt:innen. 

Nachdem sich Facharzt-Vertreter:innen dieser Tage gegen eine Zuweisungspflicht durch Fachärzt:innen für Allgemein- und Familienmedizin ausgesprochen haben, kommt nun die Replik von deren Seite: Allgemeinmedizin-Expertin Susanne Rabady betonte gegenüber der APA, dass auch hierzulande auf hausarztzentrierte Versorgung nach deutschem Vorbild gesetzt werden sollte. Bei entsprechender Organisation seien die meisten Patient:innen dort gut aufgehoben. Allein aufs Überweisungen ausstellen wolle man sich nicht reduzieren lassen, sagt die ehemalige Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM), die auch Mitglied im Obersten Sanitätsrat ist.  

Das von manchen Fachärzte-Vertreter:innen hochgehaltene Ideal der „freien Arztwahl“ sieht Rabady kritisch, denn davon habe man nichts, wenn man Monate auf einen Termin warten und dann noch privat dafür bezahlen müsse. Gleichzeitig lehnt sie aber auch eine auf ein „Maßnähmchen“ reduzierte Gesundheitsreform ab, in der die praktischen Ärzte auf die Torwächterrolle reduziert werden. 

Zweifellos brauche es ein an Primärversorgung orientiertes System, „nur haben wir inzwischen gelernt, dass es nicht egal ist, wie das organisiert ist“, sagte sie: „Uns einfach als Wauwau, als Schrankenwärter hinzusetzen, das funktioniert nicht.“ Die Primärversorgung biete den Menschen viel mehr, von der Beratung und Diagnostik bis zur Versorgung. 70 bis 90 Prozent der Patient:innen, auch chronisch Kranke, seien in der Allgemeinmedizin gut versorgt. 

Für Rabady ist klar, dass es dafür ein Paket an Begleitmaßnahmen benötigt. Es brauche eine gut ausgebildete Praxisassistenz, die den Ärzt:innen administrative Aufgaben abnehmen könne. Dazu komme ein verpflichtender Informationsaustausch mit allen Partner:innen, und die Finanzierung müsse so aufgestellt sein, „dass die Honorierung nicht handlungsleitend wird“. Dann könne man als Generalist:innen die Patient:innen mit ihren oft unklaren Symptomen, Sorgen und Ängsten durch das System leiten, statt sie von Spezialisten zu Spezialisten ziehen zu lassen. 

Lernen solle man dabei von internationalen Vorbildern. In Skandinavien und Großbritannien sei „alles falsch gelaufen“, weil man dort durch ständig wechselnde Ansprechpartner:innen die persönliche Kontinuität ruiniert habe. Orientieren will sich Rabady eher an den Niederlanden und vor allem Deutschland, wo sich Patient:innen bei einem Arzt oder einer Ärztin einschreiben und verpflichten, sich primär dort ärztliche Hilfe zu holen. Nicht festlegen wollte sich die Ärztin, mit welchen Anreizen man die Menschen zur Annahme eines solchen Systems bringen könnte. Aus ihrer Sicht sollten sich das Ärztekammer und Politik ausmachen. „Meine persönliche Meinung ist, dass der Aufstand groß sein wird, wenn man Herrn und Frau Österreicher zwingt“, meint Rabady. (APA/red)