© fizkes - stock.adobe.com Der Arbeitsklima Index zeigt Rekordzahlen an Beschäftigten, die trotz Krankheit arbeiten gehen. Zudem verschlechtern Zeit- und Arbeitsdruck die Arbeitszufriedenheit spürbar.
Der Trend ist eindeutig und seit Jahren ungebrochen: Immer mehr Menschen in Österreich arbeiten, obwohl sie krank sind. Das zeigt der aktuelle Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer Oberösterreich. Die Zahl der Arbeitnehmer:innen, die angeben, in den vergangenen sechs Monaten krank gearbeitet zu haben, hat mit 65 Prozent einen neuen Höchstwert erreicht. Besonders betroffen sind das Gesundheits- und Sozialwesen sowie das Unterrichtswesen, wo bis zu drei Viertel der Beschäftigten trotz gesundheitlicher Einschränkungen weiterarbeiten.
Hauptgründe für diesen Präsentismus sind laut Arbeiterkammer Pflichtgefühl und fehlende Vertretungen. Die Folgen: Viele Betroffene berichten von Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und verlängerten Krankheitsverläufen. „Präsentismus ist kein individuelles Versagen, sondern das Symptom eines überlasteten Systems. Wer krank arbeitet, tut das meist, weil niemand da ist, der die Arbeit übernehmen kann“, betont AK-Präsident Andreas Stangl.
Auch bei der Arbeitszufriedenheit zeigt der Arbeitsklima Index deutliche Warnsignale. Hohe Arbeitsbelastungen, insbesondere Zeitdruck und dauerhafter Arbeitsdruck, wirken sich negativ auf alle Bereiche der Zufriedenheit aus. Beschäftigte, die stark unter Zeitdruck stehen, sind deutlich seltener mit ihrer Tätigkeit, ihrem Arbeitsumfeld oder der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zufrieden.
Als notwendige Maßnahmen fordert die Arbeiterkammer Oberösterreich etwa verstärkte Investitionen in Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung sowie einen Kündigungsschutz während des Krankenstandes. Zudem dürfe es zu keinen Verschlechterungen im Bereich der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall kommen. Überlegungen, die ersten Krankenstandstage als unbezahlte Urlaubstage oder Karenztage zu deklarieren, weist sie zurück.
Der Arbeitsklima Index wird seit 30 Jahren von der Arbeiterkammer Oberösterreich gemeinsam mit den Forschungsinstituten IFES und FORESIGHT erhoben. Jährlich werden über 4.000 Beschäftigte befragt. (tab)