Immer mehr junge Männer in Österreich erkranken an Adipositas

Kachel_Behandlung Diabetes Adipositas

Adipositas tritt weltweit immer häufiger auf. Sie gilt bereits als chronische Erkrankung mit schwerwiegenden Folgen für das kardiovaskuläre System, meldet die MedUni Wien. Am 4. März ist Welt-Adipositastag.

Ein Forschungsteam um Gerhard Prager, Leiter der Adipositas-Ambulanz der Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie der MedUni Wien, hat in einer Langzeit-Studie anhand der Gesundheitsdaten junger Männer bei der Stellung beim österreichischen Bundesheer erhoben, dass die Prävalenz für Übergewicht gestiegen ist und vor allem Adipositas Grad 2 und 3 überproportional zugenommen haben. Das bedeutet in der Folge auch eine Zunahme kardiovaskulärer Erkrankungen und Diabetes sowie eine verkürzte Lebenserwartung. Weiters zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen erhöhtem BMI und einem niedrigeren Bildungsgrad sowie sozioökonomischen Status. Die Studie wurde im Fachjournal Obesity Surgery publiziert.

Gemäß Statistik Austria sind in Österreich 3,7 Millionen Menschen über 15 Jahre übergewichtig und rund 17 Prozent von ihnen haben bereits Adipositas. Bereits im Alter von acht Jahren sind jeder dritte Bub und jedes vierte Mädchen übergewichtig oder adipös, berichtet der Viszeralchirurg Gerhard Prager, Professor für Bariatrische Chirurgie der MedUni Wien. „Problematisch ist, dass Jugendliche die Adipositas ins Erwachsenenalter mitnehmen. Je länger man stark übergewichtig ist, desto wahrscheinlicher kommt es zu Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Störungen des Fettstoffwechsels.“ Je höher der BMI sei, desto höher wäre auch die Anzahl der Begleiterkrankungen.

Problematisch sei es auch, dass Adipositas „noch immer nicht als ernstzunehmende chronische Erkrankung gesehen wird, sondern als Lifestyle-Angelegenheit“, betont Prager. Für Menschen mit Adipositas sei es kaum möglich, mittels Nahrungsreduktion und Bewegung dauerhaft an Gewicht zu verlieren. In der Therapie werde nach einem „Stufenplan“ vorgegangen, so Prager. Zuerst versuche man, den Lebensstil zu ändern, wodurch langfristig fünf bis zehn Prozent an Gewichtsverlust möglich wären. Die nächste Stufe sei eine medikamentöse Therapie, die mittelfristig 15 Prozent an Gewichtsverlust leistet. Prager: „Es gibt gut wirkende Medikamente, doch diese werden derzeit nicht von den Gesundheitskassen übernommen. Das sollte geändert werden.“ Ebenfalls änderungsbedürftig ist für den Chirurgen, dass in der Stufe drei, wo es um Operationen zur Verkleinerung des Bauchumfanges gehe, jede einzelne Operation bewilligungspflichtig ist. Prager appelliert grundsätzlich, Adipositas als gesellschaftliches Problem und als Erkrankung mit schwerwiegenden Folgen anzuerkennen. (red)

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