© OeGHO/APA/Schedl Der Krebsreport 2025 nimmt ältere Patient:innen in den Fokus. Krebshilfe und die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie fordern Anpassungen bei Früherkennung und Versorgung.
Demographischer Wandel und steigende Lebenserwartung führen dazu, dass immer mehr ältere Menschen an Krebs erkranken. Mehr als 60% aller Österreicher:innen, die eine Krebsdiagnose erhalten, sind bereits heute über 65 Jahre alt – und dieser Anteil wird bis 2040 auf über 75% steigen. Den damit verbundenen Herausforderungen für das Gesundheitssystem widmet sich der Krebsreport 2025, der am Dienstag von der Krebshilfe gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO) präsentiert wurde.
Die Behandlung älterer Betroffener ist oft komplex. Meist sind sie weniger fit, von Begleiterkrankungen betroffen und nehmen zusätzliche Medikamente ein, die bei der Behandlung einer Krebserkrankung berücksichtigt werden müssen. Früherkennungsprogramme und therapeutische Leitlinien orientieren sich jedoch häufig an jüngeren, vergleichsweise gesunden Bevölkerungsgruppen. Alterungsprozesse, multiple chronische Erkrankungen, funktionelle Einschränkungen sowie eine veränderte Belastbarkeit beeinflussen bei älteren Personen sowohl den Krankheitsverlauf als auch die Verträglichkeit therapeutischer Maßnahmen. Vor diesem Hintergrund gewinne eine individuelle und ganzheitliche Behandlung zunehmend an Bedeutung, so die Krebshilfe.
Gleichzeitig zeigt der Report auf Basis einer Analyse von neun Krebsmedikamenten, dass die onkologische Versorgung in Österreich sehr gut funktioniert: Innovative Medikamente werden bis ins hohe Alter, auch bei über 80-Jährigen, verabreicht. Bei bestimmten Krebserkrankungen ist eine deutliche Verbesserung des Überlebens – ein Zugewinn von über 5% – bei älteren Personen genauso zu beobachten wie bei jüngeren. „Um diese hohe Qualität der Versorgung angesichts massiv steigender Zahlen zu halten, wird es notwendig sein, die besonderen Bedürfnisse älterer onkologischer Patient:innen bei der Gesundheitsplanung medizinisch und organisatorisch optimal zu berücksichtigen“, sagte Kathrin Strasser-Weippl, wissenschaftliche Leiterin des Österreichischen Krebsreports.
Zudem müsse das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung und der Politik gestärkt werden, erklärte Krebshilfe-Präsident Paul Sevelda. Die Daten zeigen deutlich, dass Österreich bei den erwartbaren „gesunden Jahren“ deutlich unter dem EU- Durchschnitt liegt. „Gerade für ältere Menschen sollte bei dem Thema Krebsfrüherkennung ein besonderer Fokus darauf liegen, welche Untersuchungen individuell sinnvoll sind, um Lebensqualität und Mobilität zu erhalten unter besonderer Berücksichtigung von Komorbiditäten.“
Bei der Versorgung älterer Betroffener gehe es nicht nur um die Diagnose einer Krankheit, sondern um das Gesamtbild der Gesundheit im Alter, betonte auch Ewald Wöll, Präsident OeGHO. Darüber hinaus werde es künftig notwendig sein, Behandlerteamsstärker dahingehend zu sensibilisieren, dass auch ältere Krebspatient:innen – soweit möglich – in klinische Studien eingeschlossen werden. (APA/tab)
Publikation: www.krebsreport.at