@ utah51 – stock.adobe.com Rund ein Drittel der heimischen Krebspatient:innen zeigt Anzeichen von posttraumatischem Stress, so eine Wiener Studie. Die Forschenden fordern mehr Rücksichtnahme auf die psychische Verfassung der Betroffenen.
Bei Krebserkrankungen stehen meist medizinische Fortschritte im Mittelpunkt. Die psychischen Folgen für die Betroffenen bleiben hingegen oft unberücksichtigt. Wie jetzt eine Studie der MedUni Wien zeigt, sind posttraumatische Belastungssymptome bei Menschen mit Tumorleiden oder bösartigen Bluterkrankungen weit verbreitet. „Posttraumatische Belastungssymptome (PTBS) stellen in der Onkologie ein erhebliches, aber oft unterschätztes psychisches Problem dar. Umfangreiche epidemiologische Daten zu verschiedenen Krebsarten sind selten vorhanden“, schreiben Amelie Fuchs von der Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie der MedUni Wien/AKH und ihre Co-Autor:innen.
Für die Untersuchung wurden 4.013 Patient:innen mit Tumorerkrankungen oder hämatologische Malignomen in ambulanter Versorgung befragt. Die Forschenden verwendeten dafür die wissenschaftlich validierte PTSS-8-Cancer-Skala. Parallel dazu erhoben sie soziodemografische, klinische und psychosoziale Daten der Betroffenen. Bei 32,5 Prozent der Teilnehmenden ergab das Screening Hinweise auf eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Besonders häufig waren entsprechende Symptome bei Brustkrebs (39,7 Prozent), weiblichen Genitaltumoren (37,2 Prozent) und Kopf-Hals-Tumoren (36,1 Prozent). Frauen waren generell häufiger betroffen als Männer, ebenso jüngere Personen mit niedrigem Einkommen.
Die Ergebnisse sprechen laut den Forschenden für ein universelles psychosoziales Screening bei Menschen mit Krebsdiagnose. Zudem solle die onkologische Versorgung stärker auf traumatische Stressbelastung eingehen. Damit könnte man erheblichen psychischen Belastungen eines namhaften Anteils der Bevölkerung begegnen, so die Autor:innen. (tab)
Service: Publikation