Lungenkrebs: Was Früherkennung bringt

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Eine Studie zeigt die Wichtigkeit eines Lungenkrebs-Screenings. Besonders wertvoll wäre so ein Screening für Frauen, sogar für Nichtraucherinnen. 

378 Wiener:innen im Alter von 50 bis 74 Jahren mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko wurden bisher für die sogenannte LEAD-DETECT-Studie einer Low-Dose-Computertomografie zur Früherkennung von Lungenkrebs unterzogen. Bei 4,7 Prozent von ihnen, also etwa 18, wurden dabei wahrscheinlich bösartige Lungenknoten entdeckt, die weiter untersucht werden mussten. Auch konnten bei dieser Studie, die vom Wiener Gesundheitsverbund, dem Ludwig Boltzmann Institut (LBI) für Lungengesundheit und der Sigmund Freud Privatuniversität seit Herbst 2025 im Rahmen der Wiener Gesundheitsstudie LEAD durchgeführt wird, weitere Erkrankungen erkannt werden, die meist auf das Rauchen zurückgehen, wie Emphyseme oder Koronararterienverkalkungen. 

„Die LEAD-DETECT-Studie und die ersten Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt zu einem österreichweiten Früherkennungsprogramm“, sagt Studienleiterin Marie-Kathrin Breyer anlässlich des bevorstehenden Welt-Lungenkrebstags am 1. August, die Vorständin der Abteilung für Atemwegs- und Lungenkrankheiten am Standort Penzing der Klinik Ottakring sowie Institutsleiterin des LBI für Lungengesundheit ist. Eine frühe Diagnose verbessere die Behandlungsmöglichkeiten und erhöhe die Überlebenschancen deutlich. Das zeigen auch Erkenntnisse aus anderen Ländern, wo es bereits Lungenkrebsscreenings für Raucher:innen gibt, wie in Kroatien, Polen, den USA, China, Taiwan, Südkorea und seit kurzem auch in Deutschland. Überall dort werden mehr Erkrankungen im Frühstadium entdeckt als vor der Einführung der Screenings. In Österreich wird Lungenkrebs jährlich bei rund 5200 bis 5300 Menschen neu diagnostiziert, drei Viertel der Diagnosen erfolgen in mittleren oder fortgeschrittenen Stadien. Daher ist Lungenkrebs hierzulande mit einem Anteil von 19 Prozent an allen krebsbedingten Todesursachen die häufigste davon: Etwa 4000 bis 4200 Österreicher:innen sterben jedes Jahr an Lungenkrebs.  

Die häufigste Ursache für die Erkrankung ist das Rauchen: 80 bis 90 Prozent der Erkrankten sind Raucher:innen oder ehemalige Raucher:innen. Weil seit den 1990er Jahren mehr Frauen rauchen, stieg die Lungenkrebshäufigkeit bei Frauen an. Trotzdem sind sie immer noch etwas seltener davon betroffen als Männer. Die neuesten Daten zu Geschlechtsunterschieden stammen aus 2022 und zeigen, dass in diesem Jahr 2901 Männer die Diagnose Lungenkrebs erhielten und 2302 Frauen. Bei erkrankten Frauen fällt laut Maximilian Hochmair, dem Leiter der Expert:innengruppe Pneumologische Onkologie in der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) seit einigen Jahren auf, „dass vergleichsweise viele Frauen an Lungenkrebs erkranken, obwohl sie nur wenig oder nie geraucht haben“. Passivrauchen ist dann eine mögliche Ursache. Weitere sind das Einatmen von Dämpfen, die beim Erhitzen von Speiseölen entstehen, oder Luftverschmutzung. Zu den größten Problemen von Frauen mit Lungenkrebs zählt der stellvertretenden Leiterin der ÖGP-Expert:innengruppe Romana Wass zufolge aber die bei ihnen noch einmal mehr verzögerte Diagnose mit der fatalen Folge der sinkenden Heilungschance. Als Hauptgründe dafür nennt sie das immer noch verbreitete Bild des typischen Lungenkrebspatienten als älterer männlicher Raucher und die geringe Wahrscheinlichkeit, bei Nichtraucherinnen mit entsprechenden Beschwerden frühzeitig an Lungenkrebs zu denken. Im Hinblick auf den Lungenkrebstag sagt Wass: „Biologische und gesellschaftliche Unterschiede bei Prävention, Diagnostik und Behandlung müssen stärker berücksichtigt werden.“ (sst/APA)