© spyrakot – stock.adobe.com Krebspatient:innen haben durch Chemotherapie ein erhöhtes Risiko für Herzprobleme. Dieses werde bisher nicht ausreichend berücksichtigt, hieß es beim europäischen Kardio-Onkologie-Kongress in Wien.
„Die Kardio-Onkologie ist ein aufstrebendes Fachgebiet, das sich zum Ziel gesetzt hat, Patienten die bestmögliche Krebstherapie zu bieten und gleichzeitig Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen zu minimieren“, hieß es in einer Aussendung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC). Eine internationale Umfrage unter knapp 400 Kardiolog:innen sowie Assistenzärzt:innen aus 63 Ländern zeigt jedoch Defizite in der Ausbildung. „Nur zehn Prozent der Befragten gaben an, während des Medizinstudiums mit einer kardio-onkologischen Ausbildung in Kontakt gekommen zu sein, nur 17 Prozent während der Facharztausbildung. Auf die Frage nach der Verfügbarkeit strukturierter kardio-onkologischer Programme an ihrer Einrichtung berichtete die überwiegende Mehrheit der Befragten – 87 Prozent – von keinem formalen Training“, fasste Massimiliano Camillo von der Universitätsklinik Agostino Gemelli in Rom die Ergebnisse zusammen
Die häufigste Herzkomplikation bei Chemotherapie ist die Herzinsuffizienz, die in diesen Fällen durch eine verringerte Pumpleistung der linken Herzkammer mit einer geringeren Blut-Auswurfleistung charakterisiert ist. Zwar werden Medikamente wie Beta-Blocker, ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten sowie Aldosteronantagonisten seit Jahren erfolgreich gegen Herzschwäche eingesetzt, bei Krebspatient:innen fehlten jedoch bisher starke wissenschaftliche Beweise für ihre Wirksamkeit.
Beim Kongress wurde nun eine Meta-Analyse von 49 Studien mit knapp 7.000 Betroffenen vorgestellt. Demnach sind die etablierten Herzinsuffizienz-Medikamente auch bei Onkologie-Patient:innen wirksam. So steigerte eine Behandlung mit ACE-Hemmern oder Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten die Auswurffraktion um 2,88 Prozent, Beta-Blocker schafften plus 1,2 Prozent. Eine Kombination aus Medikamenten beider Wirkstoffklassen brachte plus 2,98 Prozent. Aldosteronantagonisten steigerten die Blut-Auswurffraktion um plus 4,68 Prozent, Statine erhöhten sie um 2,49 Prozent.
Wouter Meijers, Hauptautor der Studie von der Erasmus MedUni in den Niederlanden: „Durch die Zusammenführung der Studienergebnisse haben wir bestätigt, dass von Leitlinien empfohlene Herzinsuffizienztherapien – insbesondere eine Kombination aus RAAS-Inhibitoren und Betablockern – die Herzfunktion bei Patienten schützen, die wegen Krebs behandelt werden.“ (red)