© Tanzer In vielen Bundesländern stoßen Reformpläne im Gesundheits- und Pflegebereich auf Widerstand – bei Gesundheitsberufen ebenso wie in der Bevölkerung. Zwei aktuelle Beispiele zeigen unterschiedliche Antworten.
Vor einer Woche habe ich an dieser Stelle weniger eine bessere Erklärung der Reformen gefordert als eine stärkere Einbindung jener, die sie umsetzen müssen und von ihren Folgen betroffen sind. In Salzburg scheint man diesen Weg nun zu gehen. Die im Jänner gestartete „Pflegeplattform III“ hat mehr als 100 Vorschläge erarbeitet. Beteiligt waren über 165 Personen aus 42 Institutionen. Für ausgewählte Maßnahmen stellt das Land 13,5 Millionen Euro im Doppelbudget 2027/2028 bereit, bis 2031 sollen rund 45 Millionen Euro fließen.
Das ist auch eine Reaktion auf die heftigen Proteste gegen die zunächst geplante Streichung des Pflegebonus. Die Politik hat Fehler eingeräumt und spricht von einer „Kurskorrektur“. Entscheidend ist aber weniger die Wortwahl als die Erkenntnis dahinter: Wer das System verändern will, muss jene einbinden, die es täglich tragen. Ob die nun geplanten Maßnahmen tatsächlich wirken, wird sich zeigen. Der eingeschlagene Weg ist jedenfalls bemerkenswert.
Wie wenig dagegen ein neuer Anstrich bewirken kann, zeigt Kärnten. Dort werden gerade die Landeskrankenhäuser zu Landeskliniken umbenannt. Aus dem LKH Villach wird das Klinikum Villach, aus dem LKH Wolfsberg die Lavanttal-Klinik. Die KABEG will damit moderner auftreten und sich auch am Arbeitsmarkt besser positionieren. Vor einigen Tagen haben am Klinikum Klagenfurt alle vier Ärzt:innen der interventionellen Radiologie ihre Kündigung eingereicht. Das Ärzteteam verweist auf Überlastung und nicht erfüllte Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und mehr Personal. Die KABEG weist die Vorwürfe zurück.
Unabhängig davon, wie dieser konkrete Konflikt zu bewerten ist, zeigt er ein grundsätzliches Problem: Gesundheitsversorgung wird nicht durch neue Bezeichnungen gesichert. Sie braucht ausreichend Personal, tragfähige Arbeitsbedingungen und die Expertise jener, die täglich am Patienten arbeiten. Salzburg und Kärnten stehen damit beispielhaft für zwei unterschiedliche Zugänge. Der eine setzt zumindest stärker auf Beteiligung und konkrete Maßnahmen, der andere derzeit auch auf einen neuen Namen. Reformen im Gesundheitswesen sollten sich aber nicht daran messen lassen, wie modern sie klingen, sondern daran, ob sie die Versorgung verbessern – und ob die Menschen, die sie gewährleisten, dabei gehört und unterstützt werden. (rüm)