© Novo Nordisk Die EU will bis 2030 ein Drittel der durch Herz- und Kreislauferkrankungen bedingten Todesfälle vermeiden. Expert:innen diskutieren über die Anforderungen für Österreich.
Ein Drittel weniger Todesfälle durch Herz- und Kreislauferkrankungen bis 2030 – dieses ambitionierte Ziel formuliert die Europäische Union mit dem im Dezember 2025 veröffentlichten „Safe Hearts Plan“. Der Plan adressiert insbesondere Prävention, verbesserte Datengrundlagen sowie eine stärker integrierte Versorgung. Doch ein europäischer Rahmen allein verändert noch keine Versorgungsrealität. Beim Danish Health Circle in Wien diskutierten rund 50 Expert:innen aus Politik, Wissenschaft, Versorgung und Industrie, wie Österreich den Impuls konkret nutzen kann – und wo strukturelle Hürden bestehen.
Auf Einladung der dänischen Botschaft diskutierten dieser Tage Vertreter:innen des österreichischen Gesundheitssystems über die Umsetzungsperspektiven. In der Diskussion wurde deutlich, dass Österreich in einzelnen Bereichen widersprüchliche Signale setzt. Während Prävention rhetorisch hohe Priorität genießt, bleiben ungesunde Produkte weiterhin leicht zugänglich. Europäische Strategien entfalten nur dann Wirkung, wenn sie konsequent in nationale Strukturen übersetzt werden – einschließlich klarer Finanzierungslogik. „Rund 80 Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen wären durch entsprechende Prävention vermeidbar. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf, der nur gemeinsam gelöst werden kann“, sagte Aleksandar Ciric, Geschäftsführer Novo Nordisk Österreich.
Daniel Scherr, Präsident der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft und Mitautor des „Safe Hearts Plan“, konkretisierte die wichtigsten Hebel. Erstens eine bessere Erhebung und Nutzung von Zahlen und Daten. Zweitens eine deutlich stärkere und besser gebündelte Präventionslogik, statt ausschließlich Akutmedizin zu optimieren. Drittens mehr Fokus auf Frauengesundheit, weil Symptome und Versorgungsrealitäten bei Herzereignissen nicht für alle gleich sind und bisher teils zu wenig Beachtung finden. Die Expert:innen betonten, dass Lebensstilfaktoren eng mit sozioökonomischen Rahmenbedingungen verknüpft sind. Prävention dürfe daher nicht ausschließlich als individuelle Verantwortung verstanden werden, sondern erfordere strukturelle Maßnahmen.
Harald Sourij, Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, lenkte den Fokus auf die kardiometabolische Dimension und bezeichnete Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes und Adipositas, als zentrale Treiber von Multimorbidität. Ein Großteil der Patient:innen leide an mehreren chronischen Erkrankungen gleichzeitig – Versorgung dürfe daher nicht in Einzeldiagnosen organisiert werden, sondern müssen in einem holistischen Ansatz, der nicht nur Diabetes, sondern auch kardiovaskuläre und weitere Komorbiditäten integriert, behandelt werden. (red)