© HPMP Studio – stock.adobe.com Da der Konsum von Social Media Kinder und Jugendliche ihrer Erfahrung nach negativ beeinflusst, fordert eine Expertin für Kinder- und Jugendpsychiatrie nun ein Social-Media-Verbot bis 15 oder 16 Jahre. International setzt das nächste Land Schritte.
„Der Einfluss von Social Media auf Kinder und Jugendliche ist deutlich negativer Art“, sagt Kathrin Sevecke, Direktorin der Innsbrucker Universitätsklinik für Psychiatrie im Kindes- und Jugendalter sowie Leiterin der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Landeskrankenhaus Hall in Tirol. Durch den Konsum von Social Media würden sich starke Abhängigkeiten vom Bildschirm ergeben, und ein hoher Konsum gehe mit psychischen Erkrankungen einher. Nicht nur das sehe sie in ihrer täglichen Arbeit, sondern auch, dass Kinder und Jugendliche nach tragischen Vorfällen wie dem Amoklauf an einer Schule in Graz mit Bildern und Videos auf Social Media konfrontiert waren, die sie verstört hätten. Insbesondere Mädchen würden ihr Aussehen außerdem ständig mit anderen im Internet vergleichen und dadurch psychische Probleme bekommen. Die Tiroler Expertin ist daher für ein Social-Media-Verbot bis 15 oder 16 Jahre.
Das Oberhaus des britischen Parlaments hat Ende der Woche überraschend für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nach dem Vorbild eines ähnlichen Gesetzes in Australien gestimmt. Die Parlamentskammer stimmte der von dem konservativen Abgeordneten John Nash eingebrachten Gesetzesänderung mit 261 zu 150 Stimmen zu. Mit der Abstimmung wächst der Druck auf Großbritanniens Premierminister Keir Starmer, ein Social-Media-Verbot zu erlassen. Auch prominente Persönlichkeiten wie der Schauspieler Hugh Grant haben sich für das Verbot ausgesprochen. Zudem unterstützen 74 Prozent der Bevölkerung Großbritanniens die Maßnahme, wie aus einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov vom Dezember hervorging.
In Australien gilt seit dem 10. Dezember ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Seither nimmt der Staat die Anbieter von Onlinediensten wie TikTok, Instagram und Snapchat in die Pflicht, die Konten von Nutzern, die unter 16 Jahre alt sind, zu löschen. Plattformen drohen Geldstrafen in Höhe von umgerechnet mehr als 28 Millionen Euro, wenn sie keine “angemessenen Maßnahmen” zur Einhaltung der Vorschriften ergreifen. Behördenangaben zufolge wurden seit Inkrafttreten des Verbots mindestens 4,7 Millionen Onlinedienst-Konten blockiert. (sst/APA)