Kuren sollen künftig individueller gestaltet und ambulante Behandlungen forciert werden. Kritik kommt von der Opposition und Kurärzten: „Kurzsichtig und kontraproduktiv.“
Die FPÖ kritisiert Sparpläne der Regierung bei Kuren. Diese seien „kurzsichtig und kontraproduktiv“, bemängelt Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak. Bedenken kommen auch von Experten. Die Regierung hat sich bei den Eckpfeilern für das Doppelbudget darauf verständigt, Kuren künftig individueller zu gestalten und ambulante Behandlungen zu forcieren. Das soll im kommenden Jahr 50 Millionen und im Jahr darauf 75 Millionen bringen. Details soll nun Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) erarbeiten.
Kaniak sieht die Gefahr, dass „das bewährte Kur-System in Österreich“ einem „radikalen Sparkurs“ unterworfen werde. Insbesondere die Überlegung, stationäre Kuren durch ambulante Behandlungen zu ersetzen, ist für den blauen Gesundheitssprecher ein „reines Sparpaket auf dem Rücken der Patienten und der arbeitenden Bevölkerung“. Überhaupt ortet er einen „Schildbürgerstreich“, will doch die Regierung das Pensionsantrittsalter anheben, streiche aber gleichzeitig Maßnahmen, die es den Menschen ermöglichen sollen, länger gesund und leistungsfähig im Arbeitsprozess zu bleiben.
In ein ähnliches Horn stößt auch der ärztliche Leiter des Kurzentrums in Bad Hofgastein, Rudolf Radlmüller. Die Ziele der Gesundheitsvorsorge seien es, „dass Menschen länger arbeiten können“, erklärte Radlmüller im Radio Ö1: „Wenn wir das Alter für den Pensionsantritt erhöhen, dann müssen wir den Menschen auch die Möglichkeit geben, es körperlich und psychisch zu schaffen.“ Auch was ambulante Therapien neben der Arbeit anbelangt, ist der Experte skeptisch, seien diese doch ein „zusätzlicher Belastungsfaktor“. Der Vorteil einer stationären Kur sei, dass die Patient:innen von den beruflichen und familiären Belastungen „entlastet“ sind „und wirklich Zeit für sich und ihre Gesundheit haben“, so Radlmüller: „Und wir kennen das ja auch aus der Trainingslehre, dass Reiz-Setzen wichtig ist, aber auch die Zeit der Regeneration wichtig ist, um einen positiven Effekt auf die Gesundheit zu bekommen.“ (rüm/APA)