Wenn der Rotstift die Universitäten trifft

© Tanzer

Die Universitäten sollen in den kommenden Jahren weniger Geld bekommen, wird kolportiert. Sparen an den Universitätskliniken heißt Sparen an der Versorgung. 

Die Bundesregierung versucht derzeit, die Debatte über mögliche Einsparungen bei den Universitäten zu beruhigen. Von nominell stabilen Budgets ist die Rede, von vertagten Entscheidungen und davon, dass keine „drastischen Einsparungen“ geplant seien. Gleichzeitig steht jedoch bereits fest, dass zusätzliche Mittel für die Gehälter von Ärztinnen und Ärzten an den Universitätskliniken nicht vorgesehen sind. Genau darin liegt das eigentliche Problem. 

Denn Universitätskliniken sind nicht bloß Einrichtungen der Wissenschaftspolitik. Sie sind zentrale Säulen der medizinischen Versorgung. Dort werden die komplexesten Fälle behandelt, dort entstehen neue Therapien, dort wird der ärztliche Nachwuchs ausgebildet. Wer an diesen Standorten spart, spart daher nicht an abstrakten Strukturen, sondern an Operationskapazitäten, an Intensivmedizin, an Ambulanzen und letztlich an Patient:innen. 

Die Lage in den Häusern ist schon heute angespannt. Viele Abteilungen arbeiten dauerhaft an der Belastungsgrenze. Gleichzeitig konkurrieren die Universitätskliniken längst mit privaten Anbietern und ausländischen Gesundheitssystemen um qualifiziertes Personal. Wenn Gehaltsentwicklungen nicht mehr ausreichend finanziert werden, werden erfahrene Ärzt:innen abwandern oder ihre Arbeitszeit reduzieren. Offene Stellen bleiben länger unbesetzt, die Belastung für die verbleibenden Teams steigt weiter. Die Folgen werden nicht zuerst in Budgettabellen sichtbar sein, sondern im Klinikalltag. Wartezeiten werden länger, Spezialambulanzen eingeschränkt, Ausbildungsqualität und wissenschaftliche Arbeit geraten unter Druck. Besonders betroffen sind jene Bereiche, die schon jetzt unter massivem Personalmangel leiden.  

Die Politik behandelt die Diskussion derzeit vor allem als finanzielle Frage. Tatsächlich geht es aber um die Zukunft der medizinischen Versorgung in Österreich. Denn Universitätsmedizin lässt sich nicht kurzfristig schwächen und später beliebig wieder aufbauen. Verlorenes Personal, zerstörte Ausbildungsstrukturen und wissenschaftlicher Rückstand wirken über Jahre nach. (rüm)