© Olena Yakobchuk/Shutterstock.com Eine Umfrage zeigt: Die kostenfreie Impfmöglichkeit für Erwachsene ist nicht ausreichend bekannt. Gleichzeitig ist die Zahl der invasiven Pneumokokken-Erkrankungen in Österreich so hoch wie nie.
Seit knapp einem Jahr steht die Pneumokokken-Impfung allen Personen über 60 Jahre und Menschen mit bestimmten Risikofaktoren kostenfrei zur Verfügung. Doch nur etwa 44 Prozent der Menschen zwischen 60 und 69 sowie die Hälfte aller Menschen über 70 wissen darüber Bescheid, wie eine Erhebung im Auftrag des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH) ergab.
Pneumokokken-Erkrankungen können das ganze Jahr über auftreten – ebenso könne man sich das ganze Jahr über dagegen impfen lassen, betonte der Verband. Besonders schwer verlaufen invasive Pneumokokken-Erkrankungen, bei denen die Bakterien in keimfreie Bereiche wie das Blut oder die Hirnhaut gelangen und lebensbedrohliche Erkrankungen wie eine Sepsis oder Meningitis auslösen können. In Österreich sind invasive Pneumokokken-Erkrankungen seit 2006 meldepflichtig. Ihre Anzahl steigt seit Jahren an: Zuletzt lag sie bei 944 Erkrankungen und 64 Todesfällen.
Pneumokokken sind grundsätzlich mit Antibiotika behandelbar. „Doch nicht immer erfolgt die Therapie rechtzeitig beziehungsweise wirkt das Antibiotikum so, wie wir uns das wünschen“, erläutert Stephanie Poggenburg, erste Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM). „Es ist sinnvoller, eine Erkrankung zu verhindern, als sie nach ihrem Ausbruch zu behandeln.“
Aus der Befragung geht zudem hervor, dass sich die Österreicher:innen mehr Kommunikation rund um die Impfmöglichkeiten wünschen. Für Poggenburg ein nachvollziehbarer Wunsch. „Es sollte in unseren hausärztlichen Ordinationen jeder Patientenkontakt genutzt werden, um über die notwendigen Impfungen zu informieren. Es ist evident, dass Hausärzt:innen die wichtigsten Motivatoren für die Impfbereitschaft der Patient:innen sind.“
Die ÖGAM plädiert dafür, den Impfpasscheck in die jährliche Vorsorgeuntersuchung einfließen zu lassen. „Das würde sich perfekt anbieten, da wir in diesem Fall mit den Patient:innen sowieso schon über Prävention sprechen”, so Poggenburg. Diejenigen, die nicht zur Vorsorgeuntersuchung gehen, könnten über den e-Impfpass auf empfohlene Impfungen aufmerksam gemacht werden. Bei der Information über den präventiven Nutzen von Impfungen sieht Poggenbruck grundsätzlich Verbesserungsbedarf. „Da liegt noch viel Potenzial. Bis wir zu ähnlichen Pneumokokken-Durchimpfungsraten wie bei Kindern kommen, ist es noch ein weiter, aber sehr lohnenswerter Weg.“ (tab)