Apotheken ohne Apotheker:innen

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Der deutsche Gesundheitsminister denkt über Apotheken ohne Apotheker:innen nach. Die österreichische Apothekerkammer vertritt dazu einen klaren Standpunkt.

Karl Lauterbach (SPD), der deutsche Gesundheitsminister, hat vor Kurzem verlautbart, dass er Apothekenfilialen ohne approbierte Apotheker:innen zulassen möchte. Durch „Telepharmazie“ könnten pharmazeutisch-technische Assistent:innen in den Filialen die Apotheker:innen vertreten, „wenn sie digital an die Hauptapotheke angebunden sind“, heißt es in einem Bericht der FAZ. Damit soll die Medikamentenversorgung auf dem Land verbessert werden. Bis Ende des Jahres soll eine dementsprechende Gesetzesänderung im Bundestag eingebracht werden – sehr zum Missfallen der deutschen Apotheker:innenschaft. Diese ist aufgrund von seit 2013 nicht mehr gestiegenen Honoraren sowieso nicht gut auf den Gesundheitsminister zu sprechen. Am 27. September wurde sogar für drei Stunden lang gestreikt. Sollte sich die Situation nicht bessern, wurde mit weiteren Protestaktionen im Herbst gedroht. Die neueste Idee Lauterbachs, „Telepharmazie“ anzubieten, nennt die Präsidentin des Apothekerverbands ABDA, Gabriele Overwiening, „eine Kampfansage gegenüber der gesamten Apotheker:innenschaft“, heißt es in der FAZ.

Auch in Österreich stößt die Idee auf Unverständnis. Von der Österreichischen Apothekerkammer heißt es dazu: „Eine Apotheke ohne Apotheker:innen ist in der Praxis nicht vorstellbar. Die persönliche Beratung ist das Herz der apothekerlichen Tätigkeit. Die Apotheke ist in Krisensituationen ein sicherer Hafen, mit Service und direkter Ansprache von Mensch zu Mensch. Das hohe Vertrauen der Bevölkerung in die Apotheker:innenschaft basiert nicht nur auf der deren fachlicher Expertise, sondern auch auf der persönlichen Beratung vor Ort und der Empathie der Apothekenteams.“ Im Falle von Arzneimittel-Lieferengpässen etwa könne die Apothekerin oder der Apotheker direkt vor Ort eine Lösung finden, indem sie beziehungsweise er im Beisein der Patientin oder des Patienten versucht, das vorübergehend nicht verfügbare Medikament über eine andere Apotheke zu bekommen. Durch diese und weitere Leistungen der Apotheker:innenschaft können laut Apothekerkammer rund 95 Prozent aller Fälle von Lieferengpässen direkt vor Ort gelöst werden. „Diese Vorgangsweise ist in einer Apotheke ohne Apotheker:in unmöglich. Fazit: Eine Apotheke ohne Apotheker:innen wäre aus heutiger Sicht absurd“, findet die Apothekerkammer. „Telepharmazie“, auf welche Weise auch immer, sei außerdem „aktuell kein Thema“. (kagr)