Apotheker fordern mehr Geld von den Sozialversicherungen

Die Apotheker haben bei ihrer Wissenschaftlichen Fortbildungstagung in Schladming die Branchenzahlen für 2019 vorgelegt. Und die sehen düster aus. Fazit: „Wir werden mit Dachverband der Krankenkassen sprechen müssen“, hieß es aus der Apothekerkammer.

Die Ertragslage der öffentlichen Apotheken stellte sich 2019 schlecht dar, hieß es am Montag bei der 53. Wissenschaftlichen Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer in Schladming. „Wir werden mit dem Dachverband der Krankenkassen sprechen müssen, weil wir mehr Geld für die Aufrechterhaltung unserer Betriebe benötigen. Wir müssen aus dem Privatumsatz den Kassenumsatz quersubventionieren. Wir brauchen für unsere Leistungen eine adäquate Bezahlung“, sagte Gerhard Kobinger, Präsident der steirischen Apothekerkammer, bei der Präsentation des Wirtschaftsberichtes der Österreichischen Apothekerkammer.

Zuletzt lag der Anteil der Arzneimittelausgaben an den Gesamtausgaben der Krankenkassen bei 19,9 Prozent. Kobinger: „Zieht man die Mehrwertsteuer, welche die Krankenkassen zurückerstattet bekommen und die Rezeptgebühr ab, ist der Anteil der Arzneimittel bei den Ausgaben der Krankenkassen nur noch bei 13,3 Prozent.“ Der Anteil der Krankenkassenausgaben für die Apothekenleistungen lag demnach nur noch bei 2,3 Prozent. Im Vergleich zu 2018 wuchs der Krankenkassenumsatz der öffentlichen Apotheken im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent, wobei die Zunahme der abgegebenen Arzneimittelpackungen in Österreich nur bei plus 0,3 Prozent lag. Die Umsatzsteigerungen betrafen zum größten Teil aber Arzneimittel im sogenannten Hochpreissegment. Innerhalb von vier Jahren hat sich der Anteil dieser Medikamente am Umsatz der Apotheken von knapp 40 Prozent auf mehr als 45 Prozent erhöht. Die Apothekerspanne liegt hier nur noch bei 3,8 Prozent. Für den gesamten Krankenkassenumsatz nahm sie zwischen 2009 und 2019 von 18,56 Prozent auf 14,2 Prozent deutlich ab. „Allein der Anteil der Personalkosten liegt in den Apotheken liegt bei 14 Prozent“, rechnete Kobinger vor.

„Man braucht im Gesundheitssystem eine solide Basis und ein tragfähiges Fundament mit starken Säulen“, sagte Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, Ulrike Mursch-Edlmayr. Die Globalisierung und die völlig freie Wirtschaft würden zur Destabilisierung der Systeme führen und zu einer Minder- und Unterversorgung, „die wir nicht für möglich gehalten haben.“ Preisminimierung für Wirkstoffe und Arzneimittel – lokal in Österreich auch durch die Krankenkassen gefordert –‚ und das Streben nach Gewinnmaximierung bei den Herstellern hätten zu einer seit Jahren bekannten und dokumentierten, aber noch nicht bewältigten Problematik geführt, sagte die Kammerpräsidentin. (red)