Schon fast jede vierte Apotheke sucht Personal

Traditionell wurde zum Auftakt der Apothekertagung in Schladming auch eine wirtschaftliche Bilanz der Apotheken gezogen. Und die ist nicht besonders rosig.

Dienstleistungen rund um das Testen in der Corona-Pandemie haben die Zahl der Beschäftigten in heimischen Apotheken steigen lassen. In den 1.400 öffentlichen Apotheken gibt es rund 6.300 Apothekerinnen und Apotheker (Vorjahr 6.065) und 11.100 (11.075) pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte. „Der Anstieg im letzten Jahr war ein sehr signifikanter“, sagte Gerhard Kobinger vom Präsidium der Österreichischen Apothekerkammer am Montagvormittag beim Apothekerkongress in Schladming. Allerdings: Seit Mitte 2021 gibt es mehr offene Stellen als Stellenlose, berichtete Kobinger. „Das ist eine ziemlich neue Situation, die es zu beobachten gilt“, sagte er. Fragt man genauer nach zeigt sich, dass im Jänner 2022 bereits 309 offenen Posten 133 stellenlose Apothekerinnen und Apotheker gegenüberstanden. Fast jede vierte Apotheke sucht also Personal.

„Die letzten zwei Jahre haben der österreichischen Bevölkerung, der ganzen Welt, viel abverlangt“, hatte Apothekerkammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr am Sonntagnachmittag bei der Eröffnung des viertägigen Kongresses gesagt. Die Apotheken-Branche hätte die Chance gehabt, im Auftrag der Bundesregierung „Dienstleistungen zu erbringen, die wir vorher nicht hatten“, verwies Mursch-Edlmayr auf PCR- und Antigen-Testungen in Apotheken sowie die Ausgabe der Gratis-Wohnzimmertests. Um den Bereich der Care-Diagnostik – Testen, Screenings, Medikationsanalyse – weiter zu etablieren, brauche es Gesetzesänderungen, adressierte die Apothekerkammer-Präsidentin ihre Wünsche an den designierten Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne).

Kobinger forderte am Montag außerdem eine Neuverhandlung der Vergütung der Apothekenleistung im Krankenkassenbereich. Durchschnittlich entfallen 67 Prozent der Umsätze auf die Krankenkassenumsätze. Im Jahr 2020 machten die öffentlichen Apotheken laut dem Jahresbericht insgesamt rund 4,6 Milliarden Euro Umsatz, das ist eine kontinuierliche Steigerung zu 4,5 Milliarden im Jahr davor und 4,3 Milliarden 2018. Der Ertrag ist allerdings gesunken: das kalkulierte Ergebnis einer Medianapotheke ging von 1,8 % auf 1,7 % zurück. Schuld seien die sinkenden Spannen, die zuletzt nur noch bei 14,2 % des Kassenumsatzes lagen. Zum Vergleich: 2010 waren es noch 18,18 %. (rüm)