© Tanzer Sollten morgen Ordinationen geschlossen bleiben, dürfte das wohl daran liegen, dass die Gesundheitspolitik gerade die Kuriosität des Jahres produziert hat.
Wir schreiben das Jahr 2026. Weltweit wird über Digitalisierung und KI in der Medizin diskutiert und deren Potenziale. Weltweit? Ein kleines Land in den Alpen mit unbeugsamen Gesundheitsreformer:innen hört nicht auf die Digitalisierung hochzuloben und gleichzeitig kräftig Widerstand zu leisten. Denn die Bundesländer wehren sich bis heute Daten zu vernetzen und damit auch Transparenz zu schaffen. Also wurde der bereits seit Jahren geplante neuen und elektronische Eltern-Kind-Pass noch einmal auf das kommende Jahr verschoben. Doch das macht offenbar praktische Probleme. Wie diese gelöst werden, erklärt die folgende Presseinformation mit dem Titel „Eltern-Kind-Pass: Zusatzblätter liegen bei Wiener Ärztekammer abholbereit“, die ich hier wortwörtlich wiedergeben möchte:
„Das neue Untersuchungsprogramm für den Eltern-Kind-Pass wird am 1. Oktober starten. Da der elektronische Eltern-Kind-Pass, der ebenfalls ab 1. Oktober starten sollte, auf kommendes Jahr verschoben wurde, nicht aber das neue Untersuchungsprogramm, ist es nun notwendig geworden, Zusatzblätter für den alten Eltern-Kind-Pass in Papierform auszugeben. Aufgrund der späten Bereitstellung der Zusatzhefte durch das Gesundheitsministerium war es leider nicht möglich, die Zusatzblätter auf dem üblichen Weg – die Ärztinnen und Ärzte fordern die Blätter bei der MA 15 (dem Wiener Gesundheitsamt) an und erhalten diese dann per Post – zeitgerecht bis 1. Oktober zu übermitteln. Daher werden einige Tausend Blätter direkt an die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien geliefert, von wo die Ärzte diese Blätter ab morgen Mittwoch abholen können. Die langjährig etablierten Distributionskanäle stehen den Ärztinnen und Ärzten auch weiterhin zur Verfügung. ‚Auf diesem unbürokratischen kurzen Weg, den die Stadt Wien und die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien beschreiten, sollte es möglich sein, dass alle betroffenen Eltern ihre vollständigen Eltern-Kind-Pässe erhalten und die dafür vorgeschriebenen Untersuchungen absolvieren können‘, hielten Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker und die Vizepräsidentin der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, Naghme Kamaleyan-Schmied, fest.“
Der Dank gilt meiner Kollegin Sabine Stehrer, die dieses Juwel der heimischen Gesundheitspolitik ans Licht gebracht hat. Und sollten morgen Ordinationen geschlossen bleiben, dürfte das wohl daran liegen, dass die Ärzt:innen vor der Kammer Schlange stehen, um die Zusatzblätter abzuholen, die Gesundheitsreformer:innen nicht in die Praxis bringen. Finde den Fehler.