Hannes Kaufmann (Klinik Favoriten u. Landstraße), Doris Kiefhaber (Krebshilfe), Juliane Bogner-Strauß (ÖVP), Elisabeth Bräutigam (NÖ Landesgesundheitsagentur), Rudolf Silvan (SPÖ), Christoph Hörhan (AHF) © Ben Kaulfus Krankheitsbedingte Mangelernährung ist ein oft unterschätzter Risikofaktor in der Onkologie. Expert:innen zeigen auf, wie medizinische Ernährungstherapie künftig stärker in der onkologischen Versorgung verankert werden soll.
Laut Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO und der führenden europäischen Fachgesellschaft ESPEN sind bis zu 40 % der Krebspatient:innen von Mangelernährung betroffen. Sie beeinflusst Therapieerfolg, Komplikationsraten und Lebensqualität– wird jedoch häufig zu spät erkannt und nicht systematisch behandelt.
In Wien wurde nun erstmals das Weißbuch „Medizinische Ernährungstherapie – Der Fahrplan für eine verbesserte onkologische Versorgung in Österreich“ gemeinsam mit Fresenius Kabi Austria vorgestellt. Im Anschluss daran diskutierten Expert:innen konkrete Schritte zur stärkeren Verankerung der medizinischen Ernährungstherapie in der österreichischen Krebsversorgung. „Medizinische Ernährungstherapie darf nicht länger als Zusatzangebot verstanden werden, sondern muss integraler Bestandteil moderner Krebsversorgung sein“, betonte Michael Mayr, Geschäftsführer von Fresenius Kabi Austria. „Mit dem Weißbuch liegt erstmals ein strukturierter, interdisziplinär entwickelter Fahrplan mit konkreten Handlungsempfehlungen für Österreich vor.“
An der Publikation waren Fachexpert:innen aus Medizin, Wissenschaft, Ökonomie, Systempartner und Versorgungspraxis beteiligt. Ziel war es, konkrete Maßnahmen zu definieren, um Versorgungslücken entlang des gesamten onkologischen Behandlungspfades zu schließen – insbesondere an den Nahtstellen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Zu den Handlungsempfehlungen zählen unter anderem flächendeckende Ernährungsscreenings bei Spitalsaufnahme sowie standardisierte Re-Screenings im weiteren Therapieverlauf, der Ausbau multiprofessioneller Ernährungsteams mit klar definierten Verantwortlichkeiten und eine stärkere Einbindung von Cancer Nurses und Diätolog:innen in den onkologischen Behandlungspfad. Zudem sollen ambulante diätologische Versorgungsstrukturen ausgebaut und österreichweit einheitliche Standards für enterale und parenterale Ernährung eingeführt werden. (tab)
Service: Publikation