© ÖFB | Christopher Kelemen Michael Fiedler, Oberarzt im AUVA-UKH Steiermark in Graz und Teamarzt des ÖFB-Fußballnationalteams, ist für den Start der Österreichischen Nationalmannschaft in die WM gerüstet.
Wenn das ÖFB-Nationalteam am Dienstag in das Abenteuer Fußball-WM startet, beginnt auch für Teamarzt Michael Fiedler die kritischste Phase. Der Oberarzt des AUVA-UKH Steiermark in Graz trägt als Teamarzt die medizinische Verantwortung für die Fitness der rot-weiß-roten Stars. Mögliche extreme Hitzeschlachten und eine bei entsprechendem Turnierverlauf notwendige Höhenanpassung in Mexiko fordern auch den Unfallchirurgen und Sportmediziner massiv.
„Unser Tag beginnt im Morgengrauen mit der Bestimmung der CK-Blutwerte. Nur so können wir dem Trainerteam um Ralf Rangnick genaue Empfehlungen für die Trainingssteuerung geben“, erklärt Fiedler. Die sogenannten „Hitzeprotokolle“ sind für das Überstehen der Gruppenphase genauso entscheidend wie die Taktik auf dem Rasen. Im Vorfeld bedurfte es zudem enormer logistischer Planungen, da zwischen den einzelnen amerikanischen Spielorten teils erhebliche Temperatur- und Zeitzonen-Unterschiede existieren.
Die eigentliche Bewährungsprobe begann für den Teamarzt jedoch schon in den vergangenen Monaten. Bereits während der Lehrgänge lag der Fokus auf präziser Diagnostik und dem nahtlosen Zusammenspiel mit der Sportwissenschaft. „Unsere Aufgabe geht weit über den Einsatz bei den Spielen hinaus“, so Fiedler. „Es geht um akribische Präventionsarbeit, Rehabilitationstraining und die perfekte Abstimmung der Ernährung, für die in unserem Betreuerstab Martin Rinderer verantwortlich zeichnet.“
Dass Fiedler genau weiß, wie Fußballer ticken, verdankt er seinen tiefen Wurzeln im Grazer Sport. Er betreut seit zwölf Jahren den SK Sturm Graz, davor die 99ers und den ATSE, darüber hinaus die Basketballer der Fürstenfeld Panthers sowie die Alpin-Damen des ÖSV. Seit 2012 steht er in den Diensten des ÖFB, wo er als Nachwuchsteamarzt begann. „Es erfüllt mich mit unglaublichem Stolz, dass ich Spieler wie Xaver Schlager, Konny Laimer, Patrick Pentz, Niki Seiwald, ‚Prassi‘ (Alexander Prass, Anm.), Florian Wiegele und Alessandro Schöpf teils schon kenne, seit sie 14 Jahre alt sind“, sagt der Steirer. Dass er sie nun auf der größten Bühne des Weltfußballs medizinisch verantwortet, ist der bisherige Höhepunkt seiner Laufbahn.
Auch das Turnier hat einiges zu bieten: Standardmäßige Trinkpausen haben mit der WM in Nordamerika im internationalen Fußball Einzug gehalten. Bei aller Kritik, wonach die auch in klimatisierten Stadien verfügten Unterbrechungen primär Werbezwecken dienen: Fiedler kann ihnen auch Positives abgewinnen. „Alles, was eine Pause bewirkt, gibt Chancen.“
Inklusive Sportwissenschafter und Reha-Trainer sind elf Personen für den körperlichen Zustand der ÖFB-Kicker mitverantwortlich. Jede Behandlung eines der sechs Physiotherapeuten oder Masseure werde am Abend an ihn übergeben und diskutiert, schilderte Fiedler. Entscheidungen würden im Team getroffen. „Wir sind auf Augenhöhe.“ Die Letztentscheidung liege als Arzt mit rechtlicher Verantwortung aber bei ihm. Unterstützt wird der 51-Jährige in Nordamerika von U21-Teamarzt Christoph Resinger. Dieser würde im Fall einer Verletzung oder eines Spitalsaufenthaltes am Spielort auch als Begleitung beim betroffenen Spieler bleiben.
Die Reiselogistik ist auch für die Mediziner eine Herausforderung. Für die Einfuhr des in der Notfallmedizin verwendeten Schmerzmittels Fentanyl in die USA etwa habe die FIFA eine Genehmigung erwirkt. In Kanada steht das häufig missbräuchlich verwendete Opioid auf der Roten Liste. „Bedingung ist, dass der Arzt das Medikament mit sich führt“, erklärte Fiedler. „Es muss mit ihm im Flugzeug sein.“ Zwei Ampullen Fentanyl befinden sich in seinem Notfallkoffer, zwei weitere habe er als Ersatz dabei. Er hofft allerdings, dass er nicht davon Gebrauch machen muss. (red/APA)