© Sandoz / Peter Ginter US-Präsident Donald Trump will die Produktion von Generika in die USA holen und kündigt für 2028 hohe Zölle auf Generika an. Hersteller Sandoz reagiert vorerst zurückhaltend.
US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, in zwei Jahren Generika-Medikamente aus dem Ausland mit 100 Prozent Zoll belegen zu wollen. Zunächst sollten Generika noch zollfrei in die USA kommen können, erklärte Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. Ab August 2028 aber sollten sie für ein Jahr mit 100 Prozent Zoll belegt werden – und danach sogar mit 200 Prozent. Mit dieser Maßnahme solle Generika-Produktion in die USA geholt werden, begründete der Präsident seine Entscheidung.
Der Schweizer Generikakonzern Sandoz reagierte in einer ersten Stellungnahme zurückhaltend. Es sei derzeit zu früh, die Auswirkungen abzuschätzen, da wichtige Details zur Umsetzung und zum Geltungsbereich der Maßnahme fehlten, erklärte ein Firmensprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Man werde die Entwicklung aufmerksam verfolgen und den Dialog mit den zuständigen Behörden fortsetzen. Zugleich betonte Sandoz, Generika und Biosimilars leisteten bereits heute einen wichtigen Beitrag dazu, die Gesundheitskosten in den USA zu senken und den Zugang der Patient:innen zu Medikamenten zu verbessern. Aussagen zu möglichen Investitionen oder Änderungen des Produktionsnetzwerks wollte der Konzern wegen der unklaren Ausgangslage nicht machen.
Sandoz produziert Generika und Biosimilars auch in Tirol. Zuletzt gab es Aufregung, weil in zwei Bereichen insgesamt 130 Jobs abgebaut werden. Zudem verkauft der ehemalige Mutterkonzern von Sandoz, die Schweizer Novartis, wie berichtet das Produktionsareal in Tirol an einen deutschen Betreiber für Pharma- und Life-Science-Infrastruktur. Die EU müsse einen fairen Wettbewerb wiederherstellen und das Preisdumping aus China beenden, forderte wiederum erst kürzlich der CEO des Generikakonzerns Sandoz bei einem Besuch in Tirol.
Analyst:innen des US-Researchhauses Bernstein bezweifelten, dass sich Trumps Pläne in der vorgesehenen Frist umsetzen lassen. Zwar gebe es in den USA freie Produktionskapazitäten, diese reichten jedoch bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken, hieß es in einem Kommentar. Rund 90 % aller verschriebenen Medikamente in den USA seien Generika, während weniger als 5 % der großen Wirkstofffabriken weltweit in den Vereinigten Staaten stünden. Hinzu komme, dass Generika mit sehr geringen Gewinnmargen hergestellt würden. Eine erzwungene Verlagerung der Produktion in die USA dürfte deshalb wirtschaftlich kaum rentabel sein. Bernstein erwartet daher eher Medikamentenengpässe oder steigende Preise, die letztlich von Patienten und staatlichen Gesundheitsprogrammen getragen werden müssten. Auch die Analyst:innen der Bank Vontobel sehen erhebliche Hürden. (red/APA)