„Gesundheitssystem wird schlechter werden“

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Eine große Reform ist im österreichischen Gefüge relativ undenkbar, sagt Thomas Czypionka, Experte für Gesundheitsökonomie und -politik am Institut für Höhere Studien (IHS) am Wochenende.

Czypionka sieht für Österreichs Gesundheitssystem keine rosige Zukunft. Notwendig wäre eine integrierte Versorgung, bei der die Menschen durch das System begleitet würden, doch eine große Reform scheitere an den vielen Vetoplayern im Land, sagte er. Kein gutes Zeugnis stellte er den bisherigen Ergebnissen Reformpartnerschaft aus. „Ich glaube, dass das System schlechter werden wird, einfach, weil wir nicht die notwendigen Reformen durchführen“, übte sich Czypionka im Interview mit der APA in Pessimismus.

Sehe man sich die Zahlen an, sei eine dramatische Entwicklung zu befürchten: „Wir werden bald eine Diskussion zur Qualität im System haben, weil die Ressourcen knapper werden und die Nachfrage immer stärker steigt. Und da wird offensichtlich werden, wie teuer es uns kommt, dass die Qualität eben nicht immer stimmt.“ Er versuche das auch politisch stärker zu verankern, „weil, glaube ich, das Ausmaß der Problematik nicht verstanden wird“. Die Ansätze, die es gab, und die Dinge, über die zwischen Ländern, Krankenkassen und Bund geredet worden sei, waren nach Ansicht von Czypionka viel weitergehend, „als man sich dann getraut hat, im letzten Moment zuzustimmen“.

Besser, als unbedingt zu Jahresmitte ein Ergebnis zu präsentieren, wäre es aus seiner Sicht gewesen, einige Monate für „den schwierigen Brocken Gesundheit“ dranzuhängen. Das Problem sei, dass zwar einiges in der nunmehrigen Einigung aufgeführt sei, oft aber unklar bleibe, was damit gemeint sei und wie die gesetzliche Ausgestaltung aussehen werde. Ein Beispiel dafür seien die nun wieder am Tapet stehenden Fachärztezentren, deren Einführung eigentlich bereits seit 2008 geplant sei und die die Spitäler entlasten sollen. Ein Anker für Verbesserungen wäre für Czypionka hier die Übergangsphase zwischen den bisherigen und den neuen Versorgungsstrukturen. Diese koste Geld, und mit der nun geplanten Bundesfinanzierungsgesellschaft hätte man einen Hebel: „Da wäre eine Möglichkeit, dass der Bund eben hier mithilft, die Investitionen zu stemmen und im Gegenzug eine stärkere Einhaltung der Vorgaben in der Gestaltung des Gesundheitswesens einfordert.“

Aus dem Kompetenz- und Finanzierungsgerangel zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung herauszukommen „ist im österreichischen Gefüge relativ undenkbar“, gibt sich der IHS-Experte pessimistisch. „Solche Big-Bang-Reformen können Sie bei so vielen Vetoplayern einfach nicht durchsetzen.“ Österreich sei ein föderaler Staat, und als Unikum hätten auch noch die Kammern viel mitzureden. In Frankreich oder auch Deutschland sei die Rolle der Sozialpartner im Gesundheitswesen hingegen viel geringer geworden. Erwartet hätte sich Czypionka von der Reformpartnerschaft zumindest eine gemeinsame Vision für die Zukunft, ausgerichtet auf das Jahr 2040, wie es auch der Rechnungshof zuletzt verlangt hat. (red/APA)