Lieferengpässe: Großhandel fordert mehr Geld   

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Ein Jahr nach Amtsantritt der Bundesregierung zieht der Großhandelsverband PHAGO Zwischenbilanz und fordert Anpassungen bei der Vergütung seiner Leistungen. 

Die Versorgungslage bei den Arzneimitteln ist den Großhändlern zufolge je nach Medikamentengruppe unterschiedlich. Aktuell gibt es bei 1.240 Medikamenten Probleme mit dem Nachschub, allen voran bei Antidiabetika sowie antibiotischen Augentropfen. Damit diese Lieferprobleme nicht zur Gänze bei den Patient:innen ankommen, betreibt der Großhandel ein aufwändiges Mangelmanagement. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Situation relativ konstant.

Dringenden Handlungsbedarf sieht der Verband bei der Sicherung der Arzneimittel-Infrastruktur: Um die Versorgung auch bei den ganz billigen Arzneimitteln aufrechterhalten zu können, erhält der Großhandel derzeit den sogenannten Infrastruktursicherungsbeitrag. Betroffen sind 100 Millionen Arzneipackungen pro Jahr, darunter Präparate für Volkskrankheiten wie Blutdrucksenker, Schlafmittel und Magenschutzmittel, für deren Auslieferung dieser Beitragentscheidend ist. Eine grundlegende Anpassung bei der Vergütung sei jedoch notwendig, um die Leistungen der Großhändler dauerhaft aufrechterhalten zu können. „Die gesetzliche Regelung unserer Vergütung ist seit über 20 Jahren unverändert und muss dringend an die geänderten Gegebenheiten angepasst werden. Unsere wirtschaftlichen Grundlagen sind kein Nebenschauplatz, sondern eine zentrale Voraussetzung, damit die Arzneimittelversorgung funktioniert“, betont Mila Pohl für den Verband der österreichischen Arzneimittel-Vollgroßhändler.

Ähnlich angespannt ist die finanzielle Situation in Deutschland. Dort richtete der deutsche Großhandels-Verband einen Appell an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Sollte eine angemessene Vergütungsanpassung ausbleiben, sehen sich die deutschen Pharma-Großhändler gezwungen, den gesetzlichen Sicherstellungs- und Versorgungsauftrag auf das wirtschaftlich leistbare Maß zu reduzieren. (tab)