Low-Carb-Diäten nicht nur positiv

Symbolbild © Ecpomedia

Eine neue Metaanalyse zeigt, welche Auswirkungen Diäten auf die Darmmikrobiota haben können. Daraus ergeben sich auch Chancen für die Beratung in Apotheken. 

Sehr kalorienarme ketogene Diäten (very low calorie ketogenic diets, VLCKD) werden bei Menschen mit Adipositas zunehmend eingesetzt. Neben der Gewichtsreduktion rückt dabei die Wirkung auf die Darmmikrobiota in den Fokus. Ein aktueller systematischer Review mit Metaanalyse liefert nun ein differenziertes Bild: Die Effekte auf die Darmflora sind teilweise positiv, bergen jedoch auch potenzielle Risiken. 

Die chinesische Arbeitsgruppe wertete 14 Studien aus, die bis Juni 2025 in PubMed, EBSCOhost, der Cochrane Library und Web of Science veröffentlicht wurden. Analysiert wurden Veränderungen der mikrobiellen Diversität sowie die relative Häufigkeit zentraler Bakterientaxa bei adipösen Studienteilnehmern unter VLCKD. Ergänzend erfolgten Subgruppenanalysen nach Body-Mass-Index (BMI), Alter und Dauer der Intervention. 

Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Zunahme der mikrobiellen α-Diversität. Sowohl der Shannon-Index als auch der Faith’s Phylogenetic Diversity Index verbesserten sich unter VLCKD. Zudem nahm der Anteil des als günstig geltenden Bakterienstamms Akkermansia deutlich zu. Ebenfalls erhöht war das Verhältnis von Firmicutes zu Bacteroidetes, ein Parameter, der häufig mit metabolischen Veränderungen in Verbindung gebracht wird. 

Demgegenüber steht jedoch ein klarer Nachteil: Der Anteil probiotisch wirksamer Bifidobakterien sank signifikant. Dieser Effekt trat besonders bei Personen mit einem BMI von 30 bis 35 kg/m², höherem Alter und kürzerer Interventionsdauer auf. Auch die Subgruppenanalysen deuten darauf hin, dass nicht alle Patientengruppen gleichermaßen profitieren. 

Für die pharmazeutische Beratungspraxis bedeutet dies: VLCKD kann die Darmmikrobiota bei Adipositas günstig modulieren, ist jedoch nicht uneingeschränkt positiv zu bewerten. Die Abnahme gesundheitsförderlicher Bakterien sollte bei der Empfehlung und Begleitung solcher Diäten berücksichtigt werden, etwa durch engmaschige Betreuung oder ergänzende Maßnahmen. Die Autor:innen betonen den Bedarf an Langzeitstudien und an personalisierten, mikrobiotabasierten Ernährungsstrategien. (red) 

Service: Publikation