Nachwuchs lässt sich nicht verordnen  

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Der weltweite Mangel an Gesundheitspersonal wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen, warnt die WHO. Umso dringlicher muss die Politik dafür sorgen, dass Gesundheitsberufe gehalten und auch für die nächste Generation attraktiv bleiben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer gewaltigen Lücke beim Gesundheitspersonal: Bis 2030 könnten weltweit 11,1 Millionen Ärzt:innen, Hebammen, Apotheker:innen sowie Pflegekräfte fehlen. Gleichzeitig altert das Gesundheitspersonal selbst rapide. Bereits heute ist weltweit ein Viertel der Ärzteschaft älter als 55 Jahre, in Ländern mit hohem Einkommen sogar jeder Dritte. Und während viele von ihnen in den kommenden Jahren in Pension gehen, steigt der Bedarf an medizinischer Versorgung durch die alternde Bevölkerung weiter.

Die WHO-Zahlen sind mehr als eine globale Bestandsaufnahme. Sie sind ein Auftrag an die Politik. Denn die Frage ist längst nicht mehr nur, wie fehlendes Personal ersetzt werden kann, sondern wie Arbeitsplätze im Gesundheitswesen für bestehendes Personal und für die nächste Generation attraktiv bleiben. Gerade die Generation Z stellt dabei andere Erwartungen an die Arbeitswelt. Sinn und gesellschaftliche Relevanz sind wichtig – beides können Gesundheitsberufe zweifellos bieten. Gleichzeitig zählen planbare Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Wertschätzung, gute Führung, Entwicklungsmöglichkeiten und eine moderne, digitale Arbeitsumgebung. Das sind keine überzogenen Sonderwünsche, sondern Anforderungen, auf die sich Arbeitgeber und Politik einstellen müssen.

Wer junge Menschen für Medizin, Pharmazie, Pflege und andere Gesundheitsberufe gewinnen will, darf deshalb nicht allein mit der gesellschaftlichen Bedeutung dieser Tätigkeiten argumentieren. Auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Dazu gehören ausreichend Personal, attraktive Ausbildungsbedingungen, verlässliche Dienstpläne, faire Bezahlung, moderne Karrierewege und weniger unnötige Bürokratie.

Auch die Digitalisierung darf dabei nicht als Selbstzweck verstanden werden. Eine Generation, die mit digitalen Technologien aufgewachsen ist, wird schwer nachvollziehen können, warum hochqualifizierte Gesundheitsfachkräfte einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit mit vermeidbarer Bürokratie verbringen und in Österreich noch immer das Fax-Gerät im Gesundheitswesen nicht abgeschafft ist. Digitale Prozesse müssen deshalb vor allem eines leisten: Zeit für Menschen zurückgeben.

Die zentrale Erkenntnis aus dem WHO-Bericht sollte daher lauten: Gesundheitspersonal ist keine beliebig verfügbare Ressource. Es muss ausgebildet, gewonnen und vor allem gehalten werden. Das beginnt bei jungen Menschen. Wer möchte, dass sie sich für einen Gesundheitsberuf entscheiden, muss ihnen nicht nur vermitteln, wie wichtig diese Berufe sind. Er muss ihnen auch eine Arbeitswelt bieten, in der sie sich vorstellen können, langfristig zu bleiben. (rüm)