© Sandoz Nach zähen Verhandlungen und Streiks steigen Ist-Löhne und -Gehälter in der Pharma- und Chemieindustrie. Die Unternehmen orten einen „extrem steinigen Weg“. Er könnte auch Folgen für die Versorgung haben.
In der achten Verhandlungsrunde ist in der Nacht auf Freitag ein Abschluss auf einen neuen Kollektivvertrag für die rund 50.000 Beschäftigten der Pharmazeutischen und Chemischen Industrie erzielt worden. Das teilten die Gewerkschaften PRO-GE und GPA sowie der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) mit. Die Ist-Löhne und -Gehälter steigen demnach um 1,8 Prozent, maximal aber 100 Euro. Dazu kommt eine Einmalzahlung von 300 Euro oder ein zusätzlicher freier Tag. Die Mindestlöhne und -gehälter und die Lehrlingseinkommen werden um 2 Prozent erhöht. Basis für die Gespräche war eine rollierende Inflation von 3,35 Prozent, der KV-Brutto-Mindestlohn lag bisher bei 2.477 Euro.
„Dass heute dieser harte Kompromiss erzielt werden konnte, ist auf die Kampfkraft der Belegschaften zurückzuführen“, betonten die Gewerkschaftsverhandler Hubert Bunderla (PRO-GE) und Mario Mayrwöger (GPA) in einer Aussendung. Die Arbeitgeber hätten über sechs Runden auf einer „de facto Nulllohnrunde“ beharrt. Erst Betriebsversammlungen, Warnstreiks und befristete Streiks hätten Bewegung in die Verhandlungen gebracht.
Der Arbeitgeber-Verhandlungsführer im FCIO, Ernst Gruber, sprach von einer „Einigung, die für beide Seiten gerade noch vertretbar ist“. Vor allem die Streiks hätten den Verhandlungsprozess, der ein „extrem steiniger Weg“ gewesen sei, „zusätzlich erschwert und verlängert“. Gruber verwies auf eine „angespannte wirtschaftlichen Lage: 600 verlorene Arbeitsplätze allein im vierten Quartal 2025, ein Produktionsrückgang von 18 Prozent in drei Jahren und ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Konkurrenzmärkten, allen voran Deutschland“. (red/APA)