© Zerbor – stock.adobe.com Die dritte Verhandlungsrunde für die rund 50.000 Beschäftigten der pharmazeutischen und chemischen Industrie wurde am Dienstag nach vier Stunden abgebrochen.
Die Gewerkschaften GPA und PRO-GE und der Arbeitgeberverband FCIO konnten sich auch am Dienstag in den Gehalts- und Kollektivvertragsverhandlungen nicht einigen. Die Gewerkschaften sprechen von einem „respektlosen Angebot in Form einer Einmalzahlung von 250 Euro“ durch die Arbeitgeber. „Dieses Angebot ist nicht nur inakzeptabel, sondern ein absoluter Affront gegenüber den Beschäftigten.“ Entgegen des bisherigen konstruktiven und sozialpartnerschaftlichen Verhandlungsverlauf sehen die Gewerkschaften GPA und PRO-GE das Angebot als einen massiven Rückschritt in den Verhandlungen. Die Gewerkschaften berufen daher am 23. April eine österreichweite Konferenz der Betriebsrät:innen in Oberösterreich ein.
„Wenn man glaubt, uns mit einer Einmalzahlung abspeisen zu können, werden auch wir auch den Druck in Form von weiteren gewerkschaftlichen Maßnahmen erhöhen“, sagt Mario Mayrwöger, Verhandler Gewerkschaft GPA. Die Beschäftigten würden jeden Tag unter schwierigen Bedingungen ihre Leistung erbringen, doch ihre Sorgen würden konsequent ausgeblendet. „Gerade in Zeiten von Krisen und Teuerung hat diese Vorgehensweise nichts mit Vernunft zu tun, sondern ist die Reinform einer Provokation auf dem Rücken der Beschäftigten.“
Die Lage der Branche sei aufgrund der in den vergangenen Jahren stark gesunkenen Wettbewerbsfähigkeit sehr angespannt, sagt Ernst Gruber, Verhandlungsführer der Arbeitgeber in der chemischen Industrie. Hohe Produktionskosten, rückläufige Produktionsmengen gepaart mit Unsicherheiten durch die geopolitischen Entwicklungen bringen für eine stark exportorientierte Branche nur noch schwer zu bewältigende Herausforderungen. Wie schwierig das Umfeld ist, zeige sich auch in den Prognosen der Wirtschaftsforscher:innen, die laufend nach unten korrigiert werden müssen.
Gruber: „Große Bereiche der Branche sind das dritte Jahr in Folge in einer Rezession. Auch wenn einige wenige Firmen im Pharmabereich ihre Umsätze im letzten Jahr erfreulicherweise steigern konnten, sind die anderen Chemiesektoren nach wie vor im Krisenmodus.“ Zudem gebe es vor allem ein hausgemachtes Problem: „Österreich ist beim Anstieg der Lohn(stück)kosten in Europa negativer Spitzenreiter.“ Hier müsse dringend gegengesteuert werden. Die österreichischen Abschlüsse seit 2020 seien um 13 Prozent höher und damit fast doppelt so hoch als jene in Deutschland, dem größten Absatzmarkt und bedeutendsten Konkurrenten für die österreichischen Hersteller. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 29. April statt. (rüm)