© pixabay Arzneimittelhersteller im deutschsprachigen Raum warnen vor den Folgen der US-Zollpolitik und fürchten Folgen für Patient:innen weltweit.
Arzneimittel-Hersteller in Österreich, Deutschland und der Schweiz sehen in den neu angekündigten US-Zöllen auf Pharmaprodukte eine Bedrohung für europäische Produktionsstandorte. „Mittelfristig besteht die Gefahr, dass Teile der Produktion und Forschung in die USA abwandern“, wo regulatorische und finanzielle Anreize locken, hieß es vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) in Berlin. Der Schweizer Verband Interpharma warnte vor negativen Auswirkungen auf Patient:innen, die österreichische Pharmig fordert Preiserhöhungen, um die Forschung im Land zu halten. Die US-Regierung will Pharmakonzerne mit einem Aufschlag von 100 Prozent dazu bewegen, sich in den USA anzusiedeln. Deutschland und alle anderen EU-Staaten sowie die Schweiz, Japan und Südkorea sind jedoch wegen separater Abkommen davon ausgenommen. Für sie gelten Zollsätze bis zu 15 Prozent.
Dennoch bewerten die Pharmaverbände die angekündigten Maßnahmen als massiven Eingriff in den Medikamenten-Markt. Die Zölle „gefährden die globalen Produktions- und Lieferketten für Arzneimittel, behindern Forschung und Entwicklung und schaden letztlich Patientinnen und Patienten weltweit“, warnte Interpharma in Bern. Einzelne Hersteller können Zölle vermeiden, indem sie verstärkt in den Vereinigten Staaten investieren und produzieren, und indem sie dort ihre Preise senken. Unter anderem haben die Schweizer Branchenriesen Novartis und Roche im Dezember entsprechende Vereinbarungen mit der US-Regierung abgeschlossen.
„Das Ansinnen von Präsident Trump, mehr Produktion in die USA zu holen, täte generell auch der europäischen und österreichischen Politik gut. Allerdings ist die Situation bei uns anders gelagert. Mit einer Niedrigpreispolitik, wie sie bei Arzneimitteln in Europa und gerade auch in Österreich herrscht, wird man weder den Standort noch die Versorgung stärken“, sagt Alexander Herzog, Generalsekretär der Pharmig. Der generische Bereich leide seit langem schon an extrem niedrigen Preisen, und was den innovativen Sektor betreffe, „so wird der Wert und Nutzen innovativer Medikamente ebenfalls nicht im entsprechenden Maß gewürdigt. Zudem ist es schlicht eine Tatsache, dass neue Medikamente zum Großteil in den USA entwickelt werden.“ Österreich müsse jetzt, „wo es geopolitische Verwerfungen und Drohszenarien gibt, an unserer Eigenständigkeit arbeiten.“ Daher sei die Forderungen nach adäquaten Medikamentenpreisen und einer umfassenden, langfristigen Strategie zur Stärkung der pharmazeutischen Industrie wichtig. (rüm/APA)