© Andrii Iemelianenko – stock.adobe.com Die Krankenstandstage sinken, doch eine Analyse der Arbeiterkammer zeigt: So viele Menschen wie jetzt sind noch nie krank zur Arbeit gegangen.
Während die Zahl der Krankenstände rückläufig ist, gingen 2025 fast drei Viertel der Beschäftigten in Oberösterreich krank arbeiten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie reichen vom Pflichtgefühl gegenüber den Kolleg:innen bis hin zur Angst vor Konsequenzen im Betrieb. Diese Entwicklung ist mit erheblichen gesundheitlichen Risiken für die Beschäftigten verbunden, warnt Arbeiterkammer-Präsident Andreas Stangl. Seit 2015 hat sich der Anteil der Menschen, die krank arbeiten, mehr als verdoppelt. Während 2015 noch rund 30 % der Beschäftigten trotz gesundheitlicher Einschränkungen arbeiten ging, stieg dieser Wert bis 2020 auf mehr als 50 %. Mittlerweile ist der Anteil jener, die krank zur Arbeit gehen, in Oberösterreich auf 72 % angestiegen.
Mitverantwortlich für den sogenannten Präsentismus ist die hohe Arbeitsbelastung. Darüber hinaus machen Personalmangel und hoher Termindruck den Beschäftigten große Sorgen. Mehr als ein Viertel (fast 27 %) der Arbeitnehmer:innen fühlt sich einer (starken) Belastung durch Zeitdruck ausgesetzt und mehr als ein Fünftel (21 %) gibt an, durch Arbeitsdruck (stark) belastet zu sein. Arbeitsdruck und Präsentismus stehen in engem Zusammenhang: 94 % der Personen, die sich durch Arbeitsdruck (stark) belastet fühlen, gehen trotz Krankheit zur Arbeit. Bei Beschäftigten mit geringer oder keiner Belastung liegt dieser Anteil mit 66 % deutlich niedriger.
Präsentismus hat auch gravierende Folgen für die Gesundheit. Fast die Hälfte der Beschäftigten (45 %) gibt an, öfter abgeschlagen zu sein, mehr als ein Viertel (29 %) war bei der Arbeit unkonzentriert und mehr als ein Fünftel (22 %) war länger krank als notwendig. Besorgniserregend sei, dass 13 % der Betroffenen einen Rückfall hatten und 10 % später mit stärkeren gesundheitlichen Problemen kämpften.
„Wenn Menschen krank arbeiten gehen, ist das kein Erfolg, sondern ein Alarmsignal. Niemand darf das Gefühl haben, trotz Krankheit funktionieren zu müssen, weil sonst Nachteile im Betrieb drohen. Gesundheit ist kein Verhandlungsgegenstand. Wer krank ist, braucht Schutz und Erholung – keinen Druck“, sagt Claudia Neumayer-Stickler, Leiterin des gesundheitspolitischen Referats im ÖGB und Arbeitnehmer-Obfrau im Dachverband der Sozialversicherungsträger. Krank zur Arbeit zu gehen, könne die eigene Gesundheit langfristig gefährden. Erkrankungen können verschleppt werden. Erholungsphasen fehlen. Psychische und körperliche Belastungen nehmen zu. Am Ende leidet nicht nur die einzelne Person, sondern auch die gesamte Arbeitswelt. (red)