© New Africa – stock.adobe.com Eine neue Studie zeigt: Junge Erwachsene tendieren verstärkt dazu, sich selbst psychisch zu diagnostizieren, um sich anschließend ihre Wunschdiagnose abzuholen.
„Sie kommen mit einer sehr konkreten Diagnosevorstellung, die sie für sich bereits gewählt haben, oft ADHS oder Autismus, und mit dem starken Wunsch, diese Diagnose bestätigt zu bekommen“, beschreibt Gloria Mittmann vom Forschungszentrum Transitionspsychiatrie an der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems (KL Krems). Dies kommt vor allem bei jungen Erwachsenen und mehrheitlich Frauen mit höherer Bildung und intensiver Social-Media-Nutzung vor. Dort würden sie mit Diagnosen konfrontiert, die sie sich dann für sich selbst wünschen und von Psycholog:innen einfordern. Bekommen sie die Wunschdiagnose nicht, würden viele mit „Diagnose-Shopping“ reagieren, also weitere Psycholog:innen aufsuchen, so lang, bis das Gewünschte bestätigt wird.
Dies zeigt eine neue Studie der KL Krems, die in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien und dem Universitätsklinikum Tulln erstellt wurde. Auch die Gründe für die psychischen Selbstdiagnosen und das Streben nach der Wunschdiagnose wurden für die Studie erhoben, an der 93 Klinische Psycholog:innen teilnahmen. Für viele seien Diagnosen wie ADHS oder Autismus nicht mehr nur klinische Kategorien, sondern psychische Labels, die soziale Identitäten, Zugehörigkeit und Anerkennung vermitteln. Andere wollten die Diagnosenhaben, um Belastungen im Alltag weniger wie ein persönliches Versagen erscheinen zu lassen, sondern als etwas, das erklärbar ist.
Die Studienersteller:innen raten nun dazu, dass Selbstdiagnosen und Wunschdiagnosen in der Aus- und Fortbildung der Psycholog:innen thematisiert werden und empfehlen Psycholog:innen eine intensive Auseinandersetzung mit Online-Mental-Health-Kulturen. (sst/APA).