Aktuelle und relevante Studien, ausgewählt vom Journal Club der urologischen Klinik am AKH Wien

Standardisierte Progressionsdefinition für das nichtmuskelinvasive Blasenkarzinom

Lamm D et al., J Urol 2014; 191:20–7

Unter Progression eines nichtmuskelinvasiven Blasenkarzinoms wird im Regelfall die Entwicklung eines T2–T4-Tumorstadiums oder von Metastasen verstanden. Diese Definition wird nicht einheitlich verwendet und ignoriert die prognostische Relevanz anderer Veränderungen beim Tumorstadium und beim Grading. Die „International Bladder Cancer Group“ hat nun eine erweiterte und standardisierte Definition vorgeschlagen. Danach liegt die Progression eines nichtmuskelinvasiven Blasenkarzinoms vor, wenn eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:

  1. die Entwicklung der Tumorstadien T2–T4,
  2. die Entwicklung von Lymphknoten- oder Fernmetastasen,
  3. die Entwicklung des Tumorstadiums T1 aus einem Ta oder Tis, oder
  4. die Entwicklung eines High-Grade- (inklusive CIS) aus einem Low-Grade-Tumor.

Das entsprechende Progressionskriterium sollte dabei angegeben werden. Diese Definition dient als Vorschlag für zukünftige Studien und bedarf einer weiteren Validierung. Ein Problem bei der Anwendung dürfte in der hohen Inter- und Intraobserver-Variabilität bei der Befundung der Histologie liegen.

 

 

Harnwegsinfekt-Diagnostik bei Frauen: Mittelstrahl oder Einmalkatheter?

Hooton TM et al., NEJM 2013; 369:1883–91

Die Autoren haben 202 gepaarte Einmalkatheter- und Mittelstrahl-Harnproben bei prämenopausalen Frauen analysiert, die sich mit Symptomen einer akuten Zystitis vorstellten. Die Kulturen zeigten uropathogene Bakterien in 70 % der Katheter- bzw. 78 % der Mittelstrahl-Harnproben, wobei sich Escherichia coli als häufigster Keim fand. In Mittelstrahl-Harnproben war in 86 % der Fälle mehr als ein Bakterium nachweisbar. Bei gramnegativen Bakterien (Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae) zeigte sich ein positiver prädiktiver Wert der Mittelstrahl-Kultur von 92–99 % mit einem Korrelationskoeffizient bei der nachgewiesenen Keimzahl von > 0,9. Bei den grampositiven Enterokokken (10 % der Kulturen) und Streptokokken der Gruppe B (12 % der Kulturen) lag der positive prädiktive Wert bei lediglich 10–25 % und 8–50 %. Escherichia coli wurde bei 61 % der grampositiven Erreger mitisoliert. Die Studie zeigt, dass Kulturen von Mittelstrahl-Harnproben das Ergebnis von Kulturen des Katheterharns bei gramnegativen Spezies sehr genau vorhersagen. Enterokokken und Streptokokken der Gruppe B werden häufig gemeinsam mit Escherichia coli isoliert, sind aber selten kausal für den Harnwegsinfekt.

 

 

Langzeitergebnisse der Radiofrequenzablation von Nierenzellkarzinomen

Psutka et al., Eur Urol 2013; 63:486–92

Die Autoren berichten über die onkologischen Langzeitergebnisse der perkutanen Radiofrequenzablation (RFA) von 185 cT1-Nierenzellkarzinomen mit einem medianen Nachbeobachtungszeitraum von 6,4 Jahren. 96 % der Eingriffe erfolgten in Sedierung und nur 4 % in Allgemeinnarkose. Die 5-Jahres-Überlebensraten betrugen 99 % für das tumorspezifische Überleben und 95 % für das lokalrezidivfreie Überleben. Der einzige signifikante prognostische Faktor war das klinische Tumorstadium (T1a versus T1b). Die RFA stellt daher bei Patienten mit relevanter Komorbidität eine ausgezeichnete Therapieoption dar, vor allem bei jenen mit cT1a-Tumoren.