„Die Wertschätzung der Patienten ist ein großer Motivator“

SPECTRUM Urologie: Bis 2015 waren Sie an der Universitätsklinik für Urologie der SALK tätig. Warum sind Sie in die Niederlassung gewechselt?

Dr. Andrea Gnad: Ich fühlte mich aufgrund meiner gesammelten Erfahrungen reif für eine Ordination und wollte zudem unabhängig sein. Ich wollte eigene Entscheidungen in puncto Patientenkontakt treffen. Ein großer Vorteil ist auch die Wertschätzung der Patienten, die immer wieder kommen und dadurch „meine Patienten“ werden, im Gegensatz zum oft nur einmaligen Kontakt im Krankenhaus.

Was waren für Sie am Beginn die größten Herausforderungen?

Für mich war die größte Herausforderung, dass man in der Medizin in wirtschaftlichen Belangen schlecht ausgebildet und man plötzlich Unternehmer wird. Man muss wirtschaften lernen. Auch Personalverantwortung und -führung sind eine anfängliche Herausforderung. Derzeit besteht mein Team aus drei Teilzeit-Mitarbeiterinnen. Die Ordination ist zu 100 % ausgelastet.

Haben Sie sich auch einmal überlegt, Wahlärztin zu sein?

Ich war mehrere Jahre neben meiner Krankenhaustätigkeit für einen Tag in der Woche Wahlärztin. Für mich persönlich ist aber die Kassenordination die passendere Lösung. Ich kann allen Versicherten die gleiche Versorgung anbieten.

Sie sind eine von zwei Frauen in der Stadt Salzburg. Kommen zu Ihnen auch mehr Frauen?

Meiner Einschätzung nach verteilt sich mein Patientengut auf 60 % Männer und 40 % Frauen. Ich denke, 40 % Frauenanteil übertrifft vermutlich jenen bei meinen männlichen Kollegen. Die klassischen Erkrankungsbilder bei Frauen sind Harnwegsinfekte, Harninkontinenz, aber auch Vorsorge wie etwa bei Raucherinnen oder familiär-bedingt das Blasenkarzinomrisiko. Männer sind nicht abgeschreckt, eine Urologin aufzusuchen, was auch meinem Spezialgebiet – der Andrologie – geschuldet ist. Ich habe auch mindestens 15 Transgender-Patienten in regelmäßiger Behandlung – aber nur Frauen, die zum Mann werden wollen und eine Hormontherapie erhalten.

Wie nehmen Männer die Prostata-Vorsorge in Anspruch?

Mindestens die Hälfte des genannten 60%igen Männeranteils kommt zur Vorsorgeuntersuchung.

Sie sind seit kurzem Fachgruppen- Obfrau der Salzburger Urologen. Wie möchten Sie sich einbringen?

Ich möchte die Kommunikation zwischen den niedergelassenen Kollegen, die Effizienz der Abrechnung und auch unser Standing verbessern. Zu einer Aufgabe möchte ich auch den stärkeren Austausch zwischen den älteren und jüngeren Kollegen machen. Mehr Interesse an der Berufspolitik – im eigenen Interesse – fände ich wünschenswert.

Danke für das Gespräch!

 

Interview mit: Dr. Andrea Gnad
AutorIn: Mag. Sandra Standhartinger

SU 01|2020

Herausgeber: Dr. Karl Dorfinger, Prim. Dr. Wolfgang Loidl
Publikationsdatum: 2020-04-24