KLAUS WOLFF – 80

Eine tabellarische Auflistung der Leistungen von Klaus Wolff als Kliniker, Forscher und Lehrer würde den Rahmen dieser Ausgabe sprengen:
450 wissenschaftliche Publikationen, großteils in hochrangigen Journalen – Nature, Science, PNAS, Journal of Cell Biology, New England Journal of Medicine, Lancet und Nature Medicine – auf den Gebieten der klinischen Dermatologie, Histopathologie, Immunologie und dermatologischen Grundlagenforschung; Herausgeber und Mitherausgeber der renommierten Lehrbücher „Dermatology in General Medicine“ und „Color Atlas and Synopsis of Clinical Dermatology“; grundliegende wissenschaftliche Leistungen der Abklärung des lysosomalen Systems der Epidermis, Entdeckung der metabolischen Aktivität und Immunfunktion von Langerhans-Zellen; erstmaliger Nachweis der Lokalisation von Autoantikörpern bei Autoimmunerkrankungen, Etablierung eines In-vivo-Modells für die erythropoetische Protoporphyrie und die experimentelle Induktion des SSS-Syndroms. Auf dem Gebiet der klinisch medizinischen Diagnostik die Beschreibung des Immunfluoreszenz-Mapping von Antigen-Determinanten bei mechano-bullösen Dermatosen sowie die Einführung der Auflichtmikroskopie und der digitalen Auflichtmikroskopie zur Früherkennung des malignen Melanoms. Erstmalige erfolgreiche Behandlung einer bullösen Autoimmunerkrankung mit einem Immunsuppressivum, die Mitentwicklung und europäische Einführung des Konzepts der Photochemotherapie sowie die erstmalige lokale Immunsuppression durch Makrolide und deren systemischer Einsatz als skin-targeted immunmodulatorische Therapie. Diese Auflistung der wissenschaftlichen Leistungen von Klaus Wolff erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, welche durch die Detailinformation seiner in „pubmed“ angeführten Bibliografie (pubmed – Wolff K) nachvollziehbar ist.

Diese überwältigende wissenschaftliche Leistung, die er zum Teil an der Mayo Clinic, Rochester, Minnesota, USA (1965–1966) und als Visiting Professor an der Harvard University, Boston, Massachusetts, USA (1971) durchgeführt hat, hat 1971 zu seiner Ernennung zum außerordentlichen Professor und Leiter der Abteilung für experimentelle Dermatologie an der I. Universitätshautklinik Wien, 1976 zur Berufung an den Lehrstuhl für Dermatologie und Venerologie der Universität Innsbruck und 1981 zum Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie in Wien geführt. Diese Funktion übte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2004 aus.

Klaus Wolff konnte begeistern. Durch seinen unermüdlichen Einsatz motivierte er seine jungen, aber auch seine etablierten MitarbeiterInnen, und dies sowohl in klinischer als auch in wissenschaftlicher Hinsicht. Er liebte und liebt die klinische Dermatologie, die er wahrscheinlich wie kein anderer, nicht zuletzt durch die Herausgabe seiner Lehrbücher, als medizinisch-diagnostische Kunst beherrscht. Der Enthusiasmus übertrug sich und motivierte seine wissenschaftlich tätigen MitarbeiterInnen, was zu zahlreichen Habilitationen führte.

Ein Chef und Lehrer lebt durch seine Schüler weiter. Klaus Wolff hat mehr als jeder andere Schüler in akademische Positionen gebracht, wobei Werner Aberer, Peter Fritsch, Helmut Hintner, Herbert Hönigsmann, Hubert Pehamberger, Peter Petzelbauer, Gerold Schuler, Georg Stingl und Erwin Tschachler zu nennen sind.

Klaus Wolff als Lehrer – seine Hauptvorlesung war legendär, sowohl in Innsbruck als auch in Wien, bis sie durch das neue Curriculum abgeschafft wurde. Als einer der wenigen Ordinarien hatte er „volles Haus“. Die Hauptvorlesung Dermatologie war eine der am häufigsten besuchten Lehrveranstaltungen.

Müßig zu sagen, dass seine Leistungen durch zahlreiche Ehrungen und Funktionen gewürdigt wurden. So ist Klaus Wolff Ehrendoktor der Universitäten in Kiel, Budapest und Sibiu (Hermannstadt), ist Ehrenmitglied von 23 internationalen wissenschaftlichen Vereinigungen, hat die renommierte Alfred-Marchionini-Medaille in Gold der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft erhalten sowie die Stephen-Rothman-Medaille, die Hebra-Medaille in Gold und den Janovský-Award der Tschechischen Akademie für Dermatologie und Venerologie; er ist Magister der Dermatologiae Hungarorum. Er ist ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Fellow des Royal College of Physi­cians in London sowie Past Präsident zahlreicher nationaler und internationaler wissenschaftlicher Vereinigungen. Durch das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien, das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst hat ihn das offizielle Österreich geehrt. Er war weit über die Grenzen unseres Landes die herausragende Persönlichkeit in der Dermatologie in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts.

Wir als österreichische Dermatologen müssen ihm dankbar sein. Er hat einen neuen Geist geprägt, die Dermatologie von einem morphologischen Fach in eine wissenschaftlich funktionelle Disziplin geleitet. Er hat Forschungsaufenthalte und Sabbaticals zu einem Muss gemacht. Er hat seine Schüler motiviert, gefördert und uns den richtigen Weg gezeigt.

Happy Birthday, Klaus – ad multos annos!

em. o. Univ.-Prof. Dr. Klaus Wolff

Foto: Felicitas Matern – feel image – Fotografie e.U.


AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Hubert Pehamberger

Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Wien


SD 04|2015

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Hubert Pehamberger, Univ.-Prof. Dr. Rainer Kunstfeld
Publikationsdatum: 2015-12-01