Antibiotika−Verbrauch−Surveillance Austria

Der Einsatz von Antibiotika trägt wesentlich zur effektiven Behandlung bakterieller Infektionserkrankungen und somit zur Gesundheit der Bevölkerung bei. Nicht zuletzt aufgrund einer steigenden Resistenzentwicklung wird dem sorgfältigen Einsatz von Antibiotika eine hohe Priorität in der Gesundheitspolitik zugeschrieben.1–4 Koordinierte Maßnahmen zur Hintanhaltung der Verbreitung antimikrobieller Resistenzen erfordern Surveillance-Systeme, die eine Beurteilung ermöglichen, wie lokale und globale Resistenzsituationen auf einen geänderten Antibiotikaeinsatz und neue Infektionskontrollmaßnahmen reagieren.5, 6

Das AVS-Austria-Projekt

Die AGES startete im Jahr 2014 in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) und der Charité in Berlin ein Antibiotikaverbrauch-Surveillance-Projekt (AVS-Projekt). Zur Abgrenzung von einem gleichnamigen deutschen Projekt erfolgte 2016 eine Umbenennung in Antibiotika-Verbrauch-Surveillance Austria (AVS Austria). Es bietet österreichischen Krankenanstalten die Möglichkeit, ihre Antibiotikaverbrauchsdaten mittels eines standardisierten Meldeverfahrens zu erfassen und auszuwerten, und stellt eine statistisch abgesicherte Grundlage für das Management des sorgfältigen Einsatzes von Antibiotika (Antibiotic Stewardship) zur Verfügung.

Das Projekt wurde im Oktober 2013 geplant und als Pilotversuch im Januar 2014 gestartet. Bislang nehmen 18 Krankenanstalten an dem Projekt teil (Abb. 1).

 

 

Wie funktioniert das Projekt?

Jedes teilnehmende Krankenhaus lädt seine Verbrauchsdaten in ein AGES-eigenes passwortgeschütztes Portal hoch, wo die Daten aufbereitet und für das deutsche AVS-System (webKess) kompatibel gemacht werden. Die AGES retourniert die Daten anschließend wieder an die Krankenhäuser, und diese können die umgewandelten Daten im deutschen System hochladen.
Sobald die Daten im System hochgeladen sind, werden vom Robert-Koch-Institut in Berlin die Verbrauchsdichten berechnet. Anhand der Auswertungen erstellt das Robert-Koch-Institut einen Feedback-Report und schickt diesen dem jeweiligen Krankenhaus zu.
Die Nutzer können zudem selbst mittels einer passwortgeschützten interaktiven Datenbank Abfragen durchführen, die sie durch die Spezifikation verschiedenster Parameter individuell gestalten können. So können zum Beispiel Auswertungen separat nach Stationen oder Fachbereichen durchgeführt werden.7

Hierzulande eingesetzte Antibiotika-Mengen

Die AGES hat mit dem Jahr 2015 begonnen, Antibiotika-Verbrauchsdaten rückwirkend ab 2010 von IQVIA™ (vormals IMS Health Marktforschung GmbH) zu beziehen. Diese betreffen sowohl den niedergelassenen als auch den stationären Bereich. Der niedergelassene Bereich umfasst dabei den Verbrauch von öffentlichen Apotheken sowie ärztlichen Hausapotheken. Der stationäre Bereich umfasst den Verbrauch von Krankenhaus-Apotheken. Der systemische Gesamtverbrauch an Antibiotika in Österreich betrug im Jahr 2017 in der Humanmedizin 65,498 t Wirksubstanz, davon 66 % im niedergelassenen Bereich und 34 % im stationären Bereich (Abb. 2). Im Jahr 2011 lag der Gesamtverbrauch bei 66,907 t Wirksubstanz. Insgesamt stieg der Antibiotikaverbrauch im stationären Bereich im beobachteten Zeitraum um 12,4 % (2011: 19,7 t; 2017: 22,1 t). Im selben Zeitraum nahm der Verbrauch im niedergelassenen Bereich um 8,06 % ab.

 

 

Conclusio

Das vermehrte Auftreten antimikrobieller Resistenzen hat zur Forderung eines sorgsamen Umgangs mit Antibiotika geführt.8, 9 Die Evidenz zeigt, dass eine Reduktion des Antibiotikaverbrauches sowohl international als auch in anderen Bereichen, wie z. B. der Veterinärmedizin, dabei ohne Qualitätseinbußen möglich ist.10, 11 Um das Ziel der Minderung der Resistenzproblematik zu erreichen, ist eine gemeinsame Vorgehensweise aller Antibiotikaanwender unabdingbar.

1 Ab Rahman N et al., BMC Infect Dis 2016; 16:208
2 Allerberger F et al. (2002), ABS Antibiotics Strategies. Guidelines to Further Develop and Define Antibiotic Use in Hospitals. 2nd revised ed., Federal Ministry for Social Security and Generations, Vienna.
3 Andersson DI et al., Nat Rev Microbiol 2010; 8:260–71
4 Cosgrove SE, Clin Infect Dis 2006; 42:82–9
5 Mushtaq A, Lancet Infect Dis 2016; 16:1229–30
6 UN General Assembly (2016): Draft political declaration of the high-level meeting of the General Assembly on antimicrobial resistance. Online aufrufbar: http://www.un.org/pga/71/wp-content/uploads/sites/40/2016/09/DGACM_GAEAD_ESCAB-AMR-Draft-Political-Declara­tion-1616108E.pdf (zuletzt aufgerufen am 06. 09. 2018)
7 Robert-Koch-Institut und Institut für Hygiene und ­Umweltmedizin, Charité Berlin (2017): Antibiotika-Verbrauch-Surveillance. Surveillanceprotokoll_V.1.9. https://avs.rki.de/Docs/Surveillanceprotokoll.pdf (zuletzt aufgerufen am 06. 09. 2018)
8 Earnsha S et al., Eurosurveillance 2014; https://www.eurosurveillance.org/content/10.2807/1560-7917.ES2014.19.41.20928 (zuletzt aufgerufen am 06. 09. 2018)
9 Republik Österreich, Nationalrat (2015): Gemeinsame Initiative gegen Antibiotikaresistenz (OTS0247 5 II 1038 NPA0008, Mi, 14. Oktober 2015)
10 ECDC/EFSA/EMA second joint report on the integrated analysis of the consumption of antimicrobial agents and occurrence of antimicrobial resistance in bacteria from humans and food-producing animals. EFSA Journal 2017; 15(7):4872
11 Kirchner S et al., Die Bodenkultur: Journal of Land Management, Food and Environment 2017; 68(1):17–27
Relevante Websites:
AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Franz Allerberger

Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES), Geschäftsfeld Öffentliche Gesundheit, Wien


AutorIn: Stefanie Kirchner, BSc, MPH

Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES), Geschäftsfeld Öffentliche Gesundheit, Wien


UIM 08|2018

Herausgeber: o. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs
Publikationsdatum: 2018-10-29