Wie Mikronährstoffe vor Atemwegsinfekten schützen können

Die aktuelle Grippewelle sorgt für volle Wartezimmer in den Arztpraxen, zahlreiche Krankenstände und eine spürbare Mehrbelastung des Gesundheitssystems. Eine evidenzbasierte Beratung zu Mikronährstoffen wie Vitamin D, Zink und Vitamin C stellt eine sanfte Möglichkeit dar, Kund:innen mit Informationen über die körpereigene Immunabwehr zu versorgen. Mit diesen Stoffen lässt sich das Risiko für Infektionen ebenso wie deren Dauer verringern. Besonders in definierten Risikogruppen zeigen aktuelle Studien deutlich messbare Effekte.

Kupfer

Kupfer spielt eine essenzielle Rolle bei der Funktion von Immunzellen wie Makrophagen und NK-Zellen.1 Eine kürzlich publizierte mendelsche Randomisierung lieferte genetische Hinweise darauf, dass höhere Kupferwerte im Blut mit einem verringerten Risiko für Infektionen der oberen Atemwege verbunden sind. Darüber hinaus deutet sich auch ein Zusammenhang zwischen Kupferwerten und dem Risiko einer Infektion der unteren Atemwege an.2

Vitamin D

Metaanalysen zeigen, dass die Supplementierung im Bereich von 400 bis 1.000 IE täglich das Risiko und die Schwere von akuten Atemwegsinfektionen signifikant senken kann, wobei teilweise 2.000 IE für einen optimalen Schutz empfohlen werden. Der Effekt ist bei Patient:innen mit einem ausgeprägten Vitamin-D-Mangel zu Beginn der Einnahme besonders deutlich.1–3

Zink

Das Spurenelement wirkt stabilisierend auf Zellmembranen und hemmt potenziell den Eintritt von Viren in die Zellen.4 Die Supplementierung von Zink kann vor allem bei Kindern nachweislich die Inzidenz von Mittelohrentzündungen sowie Infektionen der unteren Atemwege und Durchfallerkrankungen senken.1,5

Vitamin C

In der Allgemeinbevölkerung reduziert adjuvant eingenommenes Vitamin C das Erkältungsrisiko kaum. Bei Personen unter extremer körperlicher Belastung wie etwa Sportler:innen zeigt die Einnahme jedoch eine Halbierung der Inzidenz.1,5

Magnesium

Magnesium ist ein Kofaktor für zahlreiche Enzyme, insbesondere für jene, die am Nukleinsäurestoffwechsel beteiligt sind. Es stabilisiert die Struktur von Nukleinsäuren und spielt eine zentrale Rolle bei der DNA-Replikation und -Reparatur. Im Immunsystem ist es bei der angeborenen und der adaptiven Immunität beteiligt. Ein Mangel kann die Immunfunktion daher erheblich beeinträchtigen.1 Eine direkte präventive Wirkung gegen Infekte konnte in genetischen Studien bislang jedoch nicht bestätigt werden.2

Eine bidirektionale Wechselbeziehung

Infektionen und der Mikronährstoffstatus des menschlichen Körpers stehen in einer bidirektionalen Wechselbeziehung. Während eine ausgewogene Ernährung die Immunabwehr stärkt, führt eine Infektion zu einem signifikanten Verbrauch und Verlust von Mikronährstoffen.2,5 Dieser Prozess kann einen Teufelskreis auslösen, indem die durch die Infektion verursachte Mangelernährung die Immunantwort weiter schwächt und das Risiko für schwere Krankheitsverläufe erhöht.2,4

Erhöhter Verbrauch

Sobald der Körper Pathogenen ausgesetzt ist, wird das Immunsystem zunehmend aktiv, wodurch der Bedarf an Mikronährstoffen deutlich steigt. Während der Infektionsabwehr produzieren Immunzellen reaktive Sauerstoff- (ROS) und Stickstoffspezies (RNS), um Pathogene zu eliminieren. Zum Schutz der eigenen Zellen verbraucht der Körper dabei große Mengen an Antioxidanzien wie Vitamin C, Vitamin E, Selen, Zink und Magnesium. Ebenso werden große Mengen an Mikronährstoffen für die Synthese von Immunzellen, Antikörpern und Zytokinen benötigt, die verstärkt aus den körpereigenen Speichern mobilisiert werden.1,5,6

Rascher Abfall der Plasmakonzentration

Infektionen führen zudem oft zu einem schnellen und drastischen Absinken der zirkulierenden Mikronährstoffe im Blut. Besonders deutlich ist dies beim Vitamin C zu beobachten, dessen Plasmakonzentrationen während eines Infektes innerhalb kürzester Zeit auf die Hälfte absinken.1 Bei kritisch erkrankten Personen, etwa auf der Intensivstation, können die Selenspiegel innerhalb von 24 Stunden um 40 % bis 60 % abfallen. Dieser Abfall korreliert häufig mit der Schwere der Erkrankung und den Mortalitätsraten.6 Zusätzlich können auch die Spiegel von Vitamin A, Vitamin E, Zink, Eisen und Kalzium während einer akuten Infektion deutlich absinken und normalisieren sich oft erst nach Abklingen der Symptome wieder.1

Verlust und verringerte Aufnahme

Während einer Krankheit nimmt der Appetit oft ab, was die Zufuhr von essenziellen Nährstoffen über die Nahrung reduziert. Darüber hinaus können Symptome wie Durchfall oder vermehrtes Schwitzen, etwa bei Fieber, zu einem direkten Verlust von Elektrolyten und Spurenelementen führen. Zusätzlich kann der Einsatz von Medikamenten wie Antibiotika die körpereigenen Reserven bestimmter Mikronährstoffe erschöpfen.1,5

Umverteilung im Körper

Während der Krankheit nutzt der Körper Umverteilungsmechanismen als Teil der angeborenen Immunantwort. Beispielsweise wird Eisen während einer Infektion vermehrt in Proteinen wie Ferritin gebunden und aus dem Blutplasma entfernt, um es den Erregern zu entziehen, die Eisen für ihr Wachstum benötigen.1