Das Wort Hämaturie setzt sich aus den altgriechischen Begriffen haîma (Blut) und oûros (Urin) zusammen und bezeichnet eine Blutbeimengung im Harn. Eine Hämaturie kann harmlos sein oder auf ernste Erkrankungen hinweisen. Die wesentlichen Aspekte der Abklärung und die weiterführende Diagnostik dieses Symptoms sollen hier zusammenfassend dargestellt werden.
Die Harnuntersuchung mit Urinteststreifen ist sehr sensitiv, jedoch bei 10–20 % falsch positiv, selten auch falsch negativ, daher sollte eine Überprüfung mit dem Harnsediment erfolgen. Dabei werden 8 ml Spontanharn aus dem Mittelstrahl bei 3.000 U/min für 5 Minuten zentrifugiert, der Überstand abgegossen und das verbleibende Sediment aufgeschüttelt und ein Tropfen davon auf einem Objektträger mit einem dünnen Deckglas bedeckt, der bei 400-facher Vergrößerung mikroskopisch untersucht wird. Ein falsch positiver Urinstreifentest kann z. B. durch die Einnahme hoher Dosen an Vitamin C verursacht werden. Das Auftreten dysmorpher Erythrozyten (> 20 %) kann auf nephrologische Ursachen hinweisen, z. B. Nephritis.
Zahlreiche Erkrankungen des Harn- und Geschlechtstraktes können Hämaturie verursachen, die meisten davon bereiten auch körperliche Beschwerden. Häufig sind Infektionen, insbesondere solche der Harnblase, Ursache der Hämaturie, dabei finden sich jedoch regelmäßig auch andere korpuskuläre Elemente im Harnsediment, wie Leukozyten, Detritus, Bakterien etc. Überdies klagen betroffene Patient:innen fast immer über dysurische Beschwerden, wie Algurie, Pollakisurie, imperativen Harndrang u.Ä.m. Bei älteren Patient:innen kann auch ein unwillkürlicher Harnverlust damit verbunden sein oder auch eine bestehende Inkontinenz verstärkt werden. Bei Verdacht auf Infektionen im Harn- und Geschlechtstrakt sollte eine Keimanalyse die Keimart und -resistenz klären. Darüber hinaus können Harnsteine und auch Tumoren im Harntrakt Auslöser der Mikrohämaturie sein. Bei der idiopathischen Mikrohämaturie besteht bei den sonst beschwerdefreien Betroffenen eine erhöhte Permeabilität des Urothels oder der Bowmanschen Membran in den Glomeruli. Diese kann nur durch Ausschlussverfahren diagnostiziert werden, und es wird ihr nach heutigem Wissensstand kein Krankheitswert beigemessen. Daher erübrigt sich auch eine antibiotische Therapie in dieser Indikation.
Die Mikrohämaturie sollte systematisch abgeklärt werden: Das bedeutet zunächst, dass neben den genannten Harnuntersuchungen auch eine genaue Anamnese mit Erfragung von Schmerzen, Miktionsbeschwerden, Rauchgewohnheiten, familiärer Vorbelastung etc. erfolgen sollte. Als bildgebende Untersuchung steht vor allem die Sonografie im Vordergrund. Mit Hilfe der ebenfalls obligaten Urethrozystoskopie können verschiedene Veränderungen der Harnröhre und Harnblase, besonders Tumoren, erkannt werden, die ergänzende zytologische Untersuchung des dabei gewonnenen Spülharns kann Hinweise auf Malignität bzw. auf weiter oben im Harntrakt gelegene Tumoren liefern. Je nach Ausmaß der Hämaturie wird als weiterführende Untersuchung auch die Durchführung einer kontrastmittelgestützten Computertomografie zu erwägen sein, um sonografisch nichtbeurteilbare Bereiche des Harntraktes bzw. die Nieren genauer zu untersuchen. Dabei sollten Risikofaktoren, Nierenfunktion und Alter der Betroffenen in Betracht gezogen werden. Wichtig ist die sorgfältige Abklärung vor allem bei Raucher:innen, da bei diesen bekanntlich ein erhöhtes urogenitales Krebsrisiko besteht.
Bei Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten können diese je nach Indikation für die Dauer der Makrohämaturie pausiert werden, um die Blutung zu stoppen, in ausgeprägten Fällen kann auch die Verabreichung gerinnungsfördernder Medikamente bzw. eine stationäre Behandlung mittels Rundspülkatheter erforderlich werden.Sobald die Ursache der Blutung geklärt ist, kann diese behandelt werden, das kann Steinentfernungen, Tumoroperationen, Verödung von blutenden Gefäßen oder Ähnliches betreffen.
Grundsätzlich gilt: Jede Hämaturie sollte abgeklärt werden, aber keineswegs mit allen Mitteln, sondern von Fall zu Fall die weiterführende Diagnostik wohlüberlegt veranlasst werden. Harnbefund, Ultraschall und Urethrozystoskopie bilden jedoch die solide Basis, um ernste Krankheitsbilder rechtzeitig zu erkennen und einer Heilung zuzuführen.
Praxismemo