© rh210 - stock.adobe.com Bei der Forderung nach Quoten in der Wissenschaft argumentieren Männer oft mit sinkender Qualität. Doch was als Qualität gilt, wird meist ebenso von Männergruppen definiert, erklärten Forscherinnen bei einem Hintergrundgespräch.
Mehr als die Hälfte der Studierenden sind Frauen, weiter oben auf der Karriereleiter sinkt ihr Anteil drastisch. An der viel zitierten Qualität „mangelt es nicht“, betonte Wissenschafts- und Frauenministerin Eva Maria Holzleitner (SPÖ) im Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen. Zwischen dem „Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft“ am 11. Februar und dem „Internationalen Frauentag“ am 8. März wurde dort über „Frauen in der Wissenschaft – der dornige Weg zur Gleichstellung“gesprochen.
Was Qualität ist, werde meist „von Männergruppen“ definiert, so Francesca Ferlaino, wissenschaftliche Direktorin des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI), „Wissenschafterin des Jahres 2025“ und Professorin an der Universität Innsbruck. In Österreich bekleiden Frauen nur jede zehnte Professorenstelle in der Physik. Ein Grund sei das tradierte Bild des Physikers als Einzelgenie. Man müsse aber kein Genie im stillen Kämmerlein sein, sondern vielmehr gut im Team arbeiten können: „Wir müssen die Idee der Exklusivität kaputt machen“, sagte die Italienerin, die seit rund 20 Jahren in Tirol forscht.
Um etwas zu ändern, brauche es andere Zielvorgaben an die Institutionen im Rahmen der Leistungsvereinbarungen, betonte Wissenschafts- und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner. Das „Kaskadenmodell“ müsse weiterentwickelt werden, sodass sich das Geschlechterverhältnis aus dem Studium auch in den nächsten akademischen Karrierestufen widerspiegelt.
Bei der Familiengründung wird es auch in der Wissenschaft schwierig mit der Karriere, war man sich am Podium einig. Alexandra Kautzky-Willer, Professorin für Gendermedizin an der Medizinischen Universität Wien und „Wissenschafterin des Jahres 2016“, erinnerte sich an eine „harte Zeit“ als Jungmutter mit wissenschaftlichen Ambitionen und Arztjob. Die Wissenschaft verlange maximale, auch geografische Flexibilität, wodurch Frauen ihrer Unterstützung durch Familien oft beraubt werden. Fehlende Betreuungsangebote seien Gründe, warum sich in einem neuralgischen Lebensabschnitt vielfach weniger Frauen auf Stellen bewerben. Mehr Männerbeteiligung bei Karenzzeiten und Betreuungspflichten gebe es dort, wo das gesetzlich so vorgesehen ist, erklärte Frauenministerin Holzleitner. Diesen „ganz starken Hebel” wollen hierzulande aber nicht alle Parteien betätigen.
Den „unendlich vielen Vorurteilen, wie jemand in verschiedenen Berufen aussieht“, müsse man entgegenwirken, damit nicht weiter „viele fantastische Frauen verloren gehen,“ betonte Johanna Pirker, die seit kurzem Professorin an der Technischen Universität (TU) München und auch an der TU Graz tätig ist. Heutzutage sei etwa der durchschnittliche Gamer Mitte 30 und weiblich. Das Bild in vielen Köpfen sei jedoch ein völlig anderes. (APA/tab)