© Seventyfour – stock.adobe.com Für eine aktuelle Studie zur Wirksamkeit von ambulanter Psychotherapie wurden Psychotherapeut:innen und Patient:innen befragt. Sie zeigt, dass die Therapie wirksam ist.
23 Prozent der Österreicher:innen waren im Jahr 2024 von einer psychischen Erkrankung betroffen, das sind rund 2,1 Millionen Menschen. Sie können sich gut durch eine ambulante Psychotherapie helfen lassen, denn eine aktuelle Studie zeigt, dass diese wirksam ist.
An der Studie, die in den Jahren 2020 bis 2024 lief, nahmen 87 Psychotherapeut:innen und 163 Patient:innen teil. Die Patient:innen wurden am Beginn und am Ende der Therapie befragt. Laut Studienautorin Elke Humer vom Department für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität für Weiterbildung in Krems zeigten die Befragungen, dass sich die psychische Gesundheit der Patient:innen durch die Therapie signifikant verbesserte. Depressive Symptome und Angstsymptome hätten dadurch deutlich abgenommen. Die Funktionsfähigkeit im Alltag, die innere Stabilität, das Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit hätten im Lauf der Therapie zugenommen. Zu klinisch relevanten Verschlechterungen sei es nur selten gekommen. Die Untersuchung beinhaltete alle 23 in Österreich zugelassenen Therapiemethoden.
Insgesamt ortet Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie, einen wachsenden Bedarf bei psychosozialer Versorgung. „Wichtig ist, sauber zu diagnostizieren und zu beruhigen”, meint Haid. Im Herbst startet die neue akademische Berufsausbildung für Psychotherapie. Auf verschiedene Bachelorstudien folgt das Masterstudium Psychotherapie als zweiter Abschnitt. Österreichweit stünden ab 1. Oktober pro Jahr 500 Ausbildungsplätze zur Verfügung, 75 Prozent der Plätze seien Bewerber:innen mit österreichischem Reifezeugnis vorbehalten, erklärte Thomas Probst, Universitätsprofessor für Psychotherapie und -forschung sowie Gründungsdirektor der Universitätsambulanz für Psychotherapie in Salzburg. „Der Bedarf ist größer als die Zahl der verfügbaren Plätze“, sagte Probst.
Nach dem Masterstudium ist ein postgradualer Ausbildungsabschnitt mit Vertiefung in einer psychotherapeutischen Methode vorgesehen. Dabei seien unter anderem 1.000 Stunden psychotherapeutische Behandlung in der Praxis nachzuweisen, betonte Haid. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit der Approbationsprüfung. Die Psychotherapeutin regte an, dass auch die Finanzierung dieses dritten Abschnitts von der öffentlichen Hand finanziert werde, um Hürden abzubauen.
Der Berufsverband wünscht sich für die Zukunft, dass Kontingente für Psychotherapie aufgehoben und alle Patienten die vollen Kosten für Therapie erstattet bekommen. Es brauche kostendeckende Tarife für Kassenpsychotherapie und eine österreichweit einheitliche Versorgung, lautet die Forderung. (sst/APA)